Der Tagesspiegel : QUER DURCH DIE STADT

Ingo Andert

Man könnte fast sagen, einen Vorteil habe die Mauer so viele Jahre nach ihrem Fall: Sie markiert einen Laufweg quer durch die Stadt – eine Tatsache, die so historisch bedeutsam wie beklemmend ist.

Die Strecke vom Schlesischen Tor bis zur Bornholmer Brücke bietet sich als längere City-Route an. Die verbliebenen Mauerreste wurden unter Denkmalschutz gestellt. Wo heute Läufer trainieren, lag einst der Todesstreifen mit Gräben, Stacheldraht, Flutlicht-, Hundelauf- und Selbstschussanlagen, Minen und Wachtürmen. An dem dreieinhalb Meter hohen Wall fanden mehr als 150 Menschen bei Fluchtversuchen den Tod.

Die längsten noch erhalten Abschnitte stehen an der Niederkirchner- und Mühlenstraße (die von Künstlern gestaltete East Side Gallery) sowie an der Bernauer Straße. Unvollständig, aber sinnvoll ist der Versuch, den Mauerverlauf am Boden mit Kupferbändern und einer doppelten Pflastersteinreihe nachzuzeichnen. Er dient Läufern zur Orientierung.

In den kommenden Jahren soll die gesamte 160 Kilometer lange Strecke entlang der Mauer und des Todesstreifens so gestaltet werden, dass Touristen, aber auch Radfahrer, Inline-Skater, Spaziergänger, Rollstuhlfahrer und Läufer sie benutzen können.

Derzeit behindern die zum Teil sehr schlechten Bodenverhältnisse wirklich flüssiges Laufen. Die Strecke durch den Tiergarten lässt sich mit dem Mauerweg verbinden. Die beiden Wege kreuzen sich direkt am Brandenburger Tor.

Bewertung nach Schulnoten:

Verkehrs-, Industrie- und Baulärm: 4; Läuferdichte, je nach Tageszeit: 2; Streckenvariationen: 3; Ausflügler/Radfahrer/Hunde: 3. Beste Laufzeit: So unterschiedlich wie die Passagen sind auch die jeweilig günstigsten Zeiten.

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