Radsport : Neues aus dem Doping-Sumpf

Nachdem die belgische Polizei Durchsuchungen durchgeführt hat, distanziert sich das Quick Step-Team von Verbindungen zu den betroffenen Haushalten. Die bereits geständigen Rolf Aldag und Christian Henn dürfen bei der Tour de France wohl starten.

Patrick Lefevere
Patrick Lefevere, Chef des Quick-Step-Teams.Foto: dpa

Das in Doping-Verdacht geratene belgische Quick-Step-Team konnte trotz der Untersuchungen Entwarnung geben. Von der Doping-Razzia, bei der 13 Personen vernommen wurden, ist die Mannschaft der Weltmeister Paolo Bettini und Tom Boonen offensichtlich nicht betroffen. "Es gibt keine Ermittlungen in unserem Team und es gibt auch keinen Grund dafür", hieß es in einer Pressemitteilung. Von einem Betreuer sei das Mobil-Telefon und der Computer kurz beschlagnahmt worden. Es seien bei ihm keine illegalen Produkte gefunden worden.

Auch der geständige Bjarne Riis kann jedenfalls vorerst weiter mit dem Sponsoren-Geld der Computer-Firma CSC rechnen. Von einem bevorstehenden Ausstieg sei im Moment keine Rede, erklärte der Finanzier. Der italienische Radsport-Verband entscheidet am kommenden Freitag über die Dauer der Sperre für den teilgeständigen Ivan Basso. Der 29-jährige Italiener hatte zugegeben, Blut bei dem mutmaßlichen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes gelagert zu haben, um es bei der Tour de France 2006 einzusetzen. Da Basso der Start im Vorjahr verweigert wurde, hätte er sich nur dem Doping-Versuch schuldig gemacht, argumentierte der frühere CSC-Fahrer. Ihm droht eine Zwei-Jahres- Sperre.

Bjarne Riis bei Tour "nicht erwünscht"

Die Ex-Profis Rolf Aldag und Christian Henn, die ebenfalls Doping gebeichtet haben, befürchten keine Rote Karte durch die Tour-Organisatoren. Anders als CSC-Teamchef Riis, der ausdrücklich "nicht erwünscht" ist, sind die sportlichen Leiter von T-Mobile und des Teams Gerolsteiner trotz ihrer offen gelegten Doping-Vergangenheit weiter willkommen. "Ich habe keinerlei Signale, dass ich nicht kommen soll", sagte Aldag. "Ich habe nichts in dieser Richtung gehört", sagte Hans-Michael Holczer, Manager beim Team Gerolsteiner.

Auch Walter Godefroot, aktueller Berater des neuen Astana-Teams und davor 14 Jahre Chef im Team Telekom und T-Mobile, rechnet nicht mit Beschränkungen. "Wir gehen davon aus, dass er wie geplant dabei ist", erklärte Team-Sprecherin Corinne Druey. Der durch Aussagen stark belastete Godefroot hatte am Dienstag abgestritten, am Doping- System in der Mannschaft der 90er Jahre beteiligt gewesen zu sein.

Gerolsteiner überdenkt Engagement

"Die Lage bei Henn ist anders, als bei allen anderen Geständigen. Er hat die letzten sieben Jahre einwandfrei gearbeitet und hat nach Erscheinen des Spiegel-Artikels über das Doping-Enthüllungsbuch Jef d'Honts nicht erklärt, dass es so nicht gewesen sei", sagte Holczer, der von seinem Sponsor am 1. September erfahren wird, ob der sich für die Jahre 2009 und 2010 weiter im Profi-Radsport engagieren will. Der Mineralwasser-Produzent investiert pro Saison geschätzte acht Millionen Euro in das Team.

Die belgische Polizei in Courtrai hatte mehrere Wohnungen durchsucht. "Es ist noch zu früh, um mitzuteilen, welche Personen betroffen sind und welche möglichen Verbindungen sie zu gewissen Radsport-Mannschaften haben", hatte Gerichtssprecher Tom Janssens erklärt. Nach seinen Angaben waren rund 40 Beamte an Hausdurchsuchungen in Flandern und Wallonien beteiligt.

CSC: "Diskussionen gehen weiter"

CSC erwägt im Augenblick offensichtlich nicht, sich aus dem Sponsoring zurück zu ziehen. "Die Diskussionen gehen weiter, aber es ist noch keine Entscheidung gefallen und wir wissen nicht, wann sie fällt", zitierte der Internetanbieter "cycling-news" den Sponsoring-Direktor Ole Egeblad. Der Däne widersprach damit dem früheren CSC-Geschäftsführer Asger Jensby, der gegenüber einer dänischen Zeitung von der bevorstehenden Kündigung des Vertrages nach dem Doping-Geständnis durch Riis sprach.

Riis' Name war am Donnerstag aus der Tour-Siegerliste verschwunden. Der Däne hatte die Frankreich-Rundfahrt 1996 vor seinem damaligen Telekom-Kollegen Jan Ullrich und dem Franzosen Richard Virenque gewonnen. Die endgültige Entscheidung, ob Riis, der Epo-Doping im Team Telekom zugegeben hatte, nicht mehr als Sieger geführt wird, obliegt allerdings dem Rad-Weltverband UCI. Sein Doping- Vergehen ist verjährt: Deshalb ist ihm das Gelbe Trikot offiziell nicht zu nehmen. (Von Andreas Zellmer, dpa)