Radsport : Wiesenhof-Team macht dicht

Der Rennstall Wiesenhof wird aufgelöst. Teammanager Jens Heppner konnte keinen Nachfolger für den Hauptsponsor, der ende der Saison aussteigt, an Land ziehen.

Wiesenhof Foto: ddp
Bild aus besseren tagen. Jens Heppner bei der Präsentation des Wiesenhof-Teams bei der Deutschlandtour 2003. -Foto: ddp

Der deutsche Radsport verliert seine nach den drei ProTour-Teams wichtigste Equipe. Teammanager Jens Heppner löst Ende Oktober den Continental-Radrennstall Wiesenhof auf, nachdem sich kein Nachfolger für den Hauptsponsor gefunden hat, der sein Engagement mit Saisonschluss einstellt. "Es hat keinen Zweck mehr. Ich habe mich nach Kräften bemüht, aber ohne Erfolg", sagte der 42-Jährige .

Er selbst werde sich vollständig aus dem Radsport zurückziehen, teilte Heppner mit: "Vor meiner Zukunft habe ich keine Angst, ich habe vorgesorgt. Nur meine Fahrer und das Personal tun mir leid. Die stehen jetzt alle auf der Straße und wissen nicht, wie es weitergeht."

Radsport in Deutschland ist kaputt

Der Ex-Profi war Anfang 2006 als Manager beim Leipziger Wiesenhof-Teams eingestiegen, das er in zwei Jahren auch ohne ProTour-Status zu bemerkenswerten Erfolgen führte. "Die Doper unter den Fahrern und das Fernsehen mit der fast alleinigen Konzentration auf das Thema Doping haben den Radsport in Deutschland kaputt gemacht", meint er verbittert.

Der Thüringer, der 1990 im Trikot von Wismut Gera letzter DDR-Straßenmeister geworden war, begann seine Profikarriere 1992 beim Team Telekom. Dort zählte er zur populären Garde der eisernen "Wasserträger", die Bjarne Riis 1996 und Jan Ullrich 1997 zum Toursieg führten. Trotz der Helferrolle und mehrerer schwerer Verletzungen feierte er auch persönlich große Erfolge, so Etappensiege bei der Tour und im Giro, die deutsche Meisterschaft 1994 oder den Gewinn der Deutschlandtour 1999.

Heppner hat auch nach den zahlreichen Dopinggeständnissen ehemaliger Teamkameraden jedes Doping vehement bestritten. Bei Telekom war er über viele Jahre Zimmerkollege und väterlicher Freund für den jungen Ullrich gewesen. 2003 wechselte er als Fahrer zu Wiesenhof, wo er Ende 2005 seine Profikarriere beendete. (mit sid)