RAF : Neue Fotos aus Stammheim entdeckt

Im Nachlass eines Polizeifotografen sind mehr als 400 Aufnahmen aus den Stammheimer Zellen der RAF-Terroristen gefunden worden. Die Bilder stammen angeblich vom Tag nach den Selbstmorden. Es wird geprüft, ob neue Ermittlungen eingeleitet werden sollten.

StuttgartIn Stuttgart sind mehr als 400 Bilder eines früheren Polizeifotografen aus den Zellen von RAF-Terroristen im Gefängnis Stuttgart Stammheim aufgetaucht. Die Aufnahmen stammten vom 18. Oktober 1977, dem Morgen nach dem Selbstmord von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in deren Zellen, berichtete die "Stuttgarter Zeitung". Auch "geheime Bilder" von Obduktionen der führenden RAF-Terroristen sowie von der Notoperation von Irmgard Möller, die ebenfalls versucht hatte, sich umzubringen, seien darunter. Derzeit werde geprüft, ob in dem politisch brisanten Fall neue Ermittlungen eingeleitet werden sollten, berichtete die Zeitung unter Berufung auf den zuständigen Oberstaatsanwalt Bernhard Häußler.

Der Polizeifotograf ist dem Bericht zufolge vor längerer Zeit verstorben. Die Bilder tauchten demnach vor einer Woche beim Entrümpeln eines Haushalts in Stuttgart in einem Koffer auf und wurden der Stuttgarter Staatsanwaltschaft übergeben. Nach Informationen der Zeitung handelt es sich größtenteils um Abzüge von Fotos, die vor dreißig Jahren für das so genannte Todesermittlungsverfahren von Stammheim angefertigt wurden.

Die Akten dieses umstrittenen Verfahrens wurden 2005 vom Staatsarchiv in Ludwigsburg übernommen, blieben dort aber nicht lange. Vor wenigen Monaten wurden die 54 Ordner und Mappen von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft wieder abgeholt. Bei der Prüfung neuer Ermittlungen geht es laut "Stuttgarter Zeitung" um den Vorwurf, einzelne Beamte aus dem Sicherheitsapparat hätten im Herbst 1977 von den Selbstmordplänen der Terroristen gewusst und sie geduldet. Für diese These scheint es dem Bericht zufolge ernst zu nehmende Indizien zu geben, wie der Umzug der Akten belegt. (peg/AFP/dpa)