Der Tagesspiegel : Rassismus schreckt Touristen ab

Besorgte Anfragen in Potsdam und Rheinsberg

Sandra Dassler

Potsdam / Rheinsberg - Der Lehrer aus München klang besorgt, als er anrief: „Ich habe zwei dunkelhäutige Mädchen in meiner Klasse. Können sie sich in Potsdam denn sicher fühlen?“ Solche und ähnliche Fragen haben Hoteliers und Jugendherbergsleiter in der brandenburgischen Landeshauptstadt seit dem vermutlich rassistisch motivierten Überfall auf den Deutsch-Äthiopier Ermyas M. oft gehört. Auch bei der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB) häuften sich in den vergangenen Wochen besorgte Anrufe. „Wir haben alle beruhigen können“, sagt TMB-Sprecherin Birgit Freitag: „Deshalb gab es keine Stornierungen. Wir können jedoch nicht einschätzen, wie viele Menschen einen geplanten, aber noch nicht gebuchten Besuch in Potsdam wegen Ängsten vor Rassismus und Fremdenfeindlichkeit abgesagt haben.“

In Rheinsberg gab es solche Absagen. Nachdem dort seit Februar dieses Jahres sechs ausländische Geschäfte angegriffen worden waren, stornierten einige Besucher ihre Übernachtungen. Andere fragten telefonisch oder per E-Mail besorgt, was denn los sei in der bislang bei Touristen beliebten Tucholsky-Stadt. „Wir sind als ,braunes Nest‘ beschrieben worden, in der mittags schon Neonazis durch die Schlossstraße ziehen“, sagt der Rheinsberger Bürgermeister Manfred Richter (SPD). „Aber auch, wenn das übertrieben ist, die Übergriffe hat es gegeben, und sie dürfen sich nicht wiederholen.“ Der Bürgermeister hat die Opfer in den kommunalen Arbeitskreis Sicherheit eingeladen und will die Rheinsberger zu mehr Zivilcourage ermuntern. „Die meisten Einwohner leben vom Tourismus“, sagt er: „Wir müssen und werden die Gewalttäter in die Schranken weisen.“

Nach Angaben der Tourismus-Marketing GmbH leben in Brandenburg insgesamt 115 000 Menschen vom Gastgewerbe. Seit 1991 hat sich die Zahl der ausländischen Gäste mehr als verdoppelt. 2004 waren es 23 644.

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