Rasthof Dreilinden : Last mit der Rast

Seit 2002 rottet der unter Denkmalschutz stehende Rasthof in Dreilinden vor sich hin. Nun will Berlin das Grenzrestaurant verkaufen.

Christian van Lessen
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Geht’s bald wieder rund? Die leere Raststätte wartet auf neue Aufgaben. Foto: Imago

Rundum gelungen schien das Rasthaus Dreilinden: Als es am 3. April 1973 am Zehlendorfer Autobahnkleeblatt eröffnet wurde, rühmten Bund und Senat die markante Architektur, das gastronomische Angebot, das Restaurant mit 100 Plätzen, das Stehbüfett für Eilige, Automaten für Kekse und Cola. Nur neun Monate später machte der rote Rundbau, entworfen von Gerhard Rümmler aus der Senatsbaubehörde, wegen Publikumsmangels dicht.

Nach Wiederbelebungsversuchen stand das Haus seit 2002 endgültig leer, die Haustechnik ist defekt, es gibt Vandalismusschäden. Jetzt will es der städtische Liegenschaftsfonds verkaufen. Seit letztem Oktober ist es aus der „fernstraßenrechtlichen Widmung“ entlassen, also von der Autobahn rechtlich geschieden. Aber es steht unter Denkmalschutz. Interessenten können bis 30. April ein Gebot abgegeben. „Das Tor von und nach Berlin steht für Bieter offen“, sagt Irina Dähne vom Liegenschaftsfonds. Machbar sei fast alles: Restaurant, Spielhalle oder auch Diskothek, es müsse nur vom Stadtplanungsamt Steglitz-Zehlendorf genehmigt werden, das sehr auf den Denkmalschutz achten wolle. Nur die Raststätte steht zum Verkauf, auch wenn zum Gebäude-Ensemble des einstigen Grenzkontrollpunktes Dreilinden – „Checkpoint Bravo“ – auch das Brückenbauwerk des Zolls und zwei vergammelte Tankstellenbauten gehören. Ebenso die Verplombungsrampen für Lastwagen und der von Reneé Sintenis 1956 geschaffene Berliner Bär aus Bronze auf dem Mittelstreifen der Autobahn. Die Behörden sprechen von einem „wichtigen baulichen Zeugnis für die Situation West-Berlins in der Nachkriegszeit bis zur Wiedervereinigung 1990“.

Der Grenzkontrollpunkt war Anfang der 70er Jahre ausgebaut worden, als in und aus Richtung DDR-Übergang Drewitz stündlich bis zu 2000 Autos abgefertigt wurden. Ein großer Stauraum für fast 900 Autos wurde später kaum beansprucht, weil der Transitverkehr nach dem Berlin-Abkommen 1972 flüssiger lief. Für das neue Rasthaus, das von der Potsdamer Chaussee zu erreichen ist, hatten Auto- und Lkw-Fahrer keine Zeit.

Der „historische“ Grenzübergang Dreilinden aus den 50er und 60er Jahren verrottet seit Jahrzehnten ein paar hundert Meter weiter an einem stillgelegten Autobahnstück bei Albrechts Teerofen. Auch hier steht noch das alte Rasthaus, das lange als Kasino für Camper genutzt wurde. Inzwischen ist es in einem erbärmlich verwahrlosten Zustand. Für das Gelände ist der Bund zuständig. Er sucht Interessenten, will sich von seinem Rasthaus trennen. Möglichst noch in diesem Jahr. Christian van Lessen

Das Verkaufsexposé im Internet: www.liegenschaftsfonds.de

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