Raubkunst : Kehren Italiens Kunstschätze heim?

Francesco Rutelli, Kulturminister Italiens, droht dem kalifornischen Getty-Museum: 52 illegal von den Amerikanern erworbene Kunstschätze, die größtenteils aus Raubgrabungen stammen, sollen umgehend zurück gegeben werden. Wenn nicht, so Rutelli "kommt es zum Bruch!"

Carola Frentzen[dpa]
Getty-Museum
Das kalifornische Getty-Museum im Streit mit Italien. -Foto: pdphoto.org

Rom/Los AngelesItalien ist stolz auf seine Geschichte, seine Kultur und vor allem auf seine großartigen Kunstschätze. Oft leihen Museen in Florenz, Rom oder Neapel wertvolle Exponate von Caravaggio bis Tizian für Sonderausstellungen in alle Welt aus. Damit könnte jetzt zumindest für das berühmte Getty-Museum in Los Angeles Schluss sein: Am 31. Juli lief ein von der italienischen Regierung gestelltes Ultimatum ab, in dem es um die Rückgabe von illegal erworbenen antiken Kunstwerken geht.

"Wenn das kalifornische Museum nicht einlenkt, dann kommt es zum Bruch!", hatte Kulturminister Francesco Rutelli vor wenigen Wochen gedroht. Und das würde heißen, dass jegliche kulturelle Zusammenarbeit zwischen Italien und dem amerikanischen Kunsttempel auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wird. So ein Embargo könnte für das Getty-Museum schon bald spürbare Folgen haben, wie die Turiner Zeitung "La Stampa" zuletzt schrieb: "Es scheint, dass das Getty für 2009 eine große Schau über Barockmeister Gian Lorenzo Bernini im Programm hat, aber ohne Leihgaben aus Italien und ohne unsere Archive zu konsultieren wird das wohl nur schwer möglich sein." Wohl deshalb versuchte das US-Museum noch am Dienstagabend zu beschwichtigen und Optimismus zu verbreiten. Die Verhandlungen schritten gut voran und wahrscheinlich könne schon "in den nächsten Stunden" eine Lösung für den Zwist gefunden werden, ließ ein Sprecher verlauten.

Italien spricht von einem "ethischen Problem"

Aber worum geht es überhaupt bei dem seit Monaten schwelenden Streit? Im Mittelpunkt des Disputs stehen 52 illegal von den Amerikanern erworbene Kunstschätze, die größtenteils aus Raubgrabungen stammen. Zwar hatte das Getty-Museum bereits Ende 2006 angekündigt, 26 der Werke zurückgeben zu wollen - aber Italien fordert alle umstrittenen Schätze zurück. Im Mai war man sich immerhin über die Rückgabe der weltberühmten Statue der Aphrodite aus einem griechischen Tempel in Morgantina auf Sizilien einig geworden.


Anders sieht dies bisher jedoch bei der berühmten Bronzestatue eines jungen griechischen Athleten aus, eines weiteren Knackpunktes der Verhandlungen. Das Museum weigert sich seit vielen Monaten, die von Italien eingeforderte Skulptur des Lysippus zurückzuerstatten. "Die Statue ist griechisch und in internationalen Gewässern gefunden worden, weshalb die italienische Forderungen keinerlei juristische Grundlage haben", hatte der Direktor des Getty-Museums, Michael Brand, recht ungehalten erklärt. Das sieht Italien jedoch ganz anders: "Das ist ja auch ein ethisches Problem. Ein Ort, der die Kultur der Welt zeigt, darf kein Sammelpunkt für gestohlene Werke sein", betonte Rutelli.

Gleichzeitig erklärte der italienische Kulturminister, dass derartige Probleme nur mit dem Getty-Museum bestehen, da sich die Regierung etwa mit dem Metropolitan Museum in New York und mit dem Museum of Fine Arts in Boston über Rückerstattungen einig geworden sei. Die New Yorker hatten Anfang 2006 angekündigt, sowohl die weltberühmte Vase des Euphronius aus dem Jahr 515 V. Chr. als auch 15 Stücke aus dem Silberschatz der Morgantina bis spätestens 2010 nach Italien zurückschicken zu wollen. Und Italien selbst hatte erst im Juni über 300 auf einem Antiquitätenmarkt im norditalienischen Monza entdeckten Werke aus Terracotta und Skulpturen aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. an Pakistan zurückgegeben. "Unser Prinzip ist es, illegale Grabungen und Verkäufe immer und überall zu bekämpfen", hieß es aus dem Kulturministerium. Darauf ist Italien stolz, ebenso wie auf seine wertvollen Kunstschätze.