Der Tagesspiegel : Ravensbrück: Gedenkstättenstiftung übernimmt ehemaliges KZ

Das Gelände des ehemaligen Stammlagers im Frauen-KZ Ravensbrück geht in den Besitz der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten über. Finanzministerin Wilma Simon (SPD) übergibt offiziell am heutigen Freitag der Stiftung knapp 90 000 Quadratmeter des früheren Stammlagers sowie rund 13 500 Quadratmeter der einstigen SS-Wohnsiedlung. Die Areale, die zentrale Teile des ehemaligen Häftlingslagers, des Industriehofes sowie die bisherige Gedenkstätte umfassen, werden unentgeltlich übertragen.

"Damit können wir das frühere Konzentrationslager erstmals wieder für Besucher als solches erkennbar machen", sagte der Sprecher der Stiftung, Horst Seferens, am Donnerstag. So solle bereits im nächsten Jahr die bereits sanierte "Schneiderei" mit ihren acht großen Fabrikhallen, in denen Häftlingsfrauen Zwangsarbeit leisten mussten, besichtigt werden können. Die Grundrisse von rund 30 Häftlingsbaracken sollen als Bodenreliefs erfahrbar sein. Durch die Übertragung der Areale - die Stiftung hatte für einige Teile bereits seit Jahren Nutzungsrechte, um etwa die Sanierung der "Schneiderei" voran zu treiben - vergrößert sich laut Seferens die Gedenkstätte in Fürstenberg/Havel von 3,5 auf rund zehn Hektar. "Dabei darf aber aber nicht vergessen werden, dass das historische Lager rund 170 Hektar groß war", betonte Seferens.

Die Mahn- und Gedenkstätte für das größte Frauen-KZ auf deutschem Boden war am 12. September 1959 eröffnet worden. Das eigentliche KZ-Gelände innerhalb der Lagermauern wurde damals noch von sowjetischen Truppen als Kaserne genutzt. "Durch die inzwischen abgerissenen Überbauten der Russen war das frühere KZ-Areal gar nicht mehr zu erkennen", sagte Seferens. Erst mit dem Abzug der GUS-Truppen 1994 begann die Erweiterung und Neugestaltung der Gedenkstätte. 1995 kamen ein kleiner Teil des Apellplatzes und das Lagertor hinzu.

Simon wird nach Auskunft des Finanzministeriums zudem am Freitag neun ehemalige SS-Wohnhäuser auf einem 15 000 Quadratmeter großen Grundstück dem Deutschen Jugendherbergswerk Brandenburg übertragen. Dieses will dort ab Herbst eine internationale Jugendbegegnungsstätte errichten. Für rund 14,1 Millionen Mark sollen sechs von SS-Aufseherinnen genutzte Wohnhäuser umgestaltet werden. Zur Übergabe der Grundstücke wird neben Simon und dem Direktor der Stiftung, Günter Morsch, auch eine ehemalige "Ravensbrückerin" erwartet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben