Der Tagesspiegel : RECHT & REISE

Freiluft-Disco

Können Urlauber während ihres zweiwöchigen Aufenthaltes in einer Hotelanlage (hier in Hurghada/Ägypten) keine Nacht ungestört schlafen, weil eine Freiluftdiskothek von 22 Uhr bis 5 Uhr früh „ohrenbetäubenden“ Lärm macht, so können sie eine Reisepreisminderung (hier in Höhe von 60 Prozent) durchsetzen. Das Amtsgericht Köln billigte außerdem ein Schmerzensgeld für „vertanen Urlaub“ in Höhe von 600 Euro zu. Es hielt den Erholungswert für stark gemindert, da gerade im Urlaub erwartet werden könne, bei geöffneten Fenstern neue Kräfte für den Tag zu sammeln. (Aktenzeichen: 133 C 533/06)

Unterschrift genügt nicht

Nimmt eine Reiseleiterin eine detaillierte Mängelliste eines Pauschaltouristen per Unterschrift „zur Kenntnis“, so hat sie damit „keine abschließende Beurteilung über die Beanstandungen“ abgegeben. Der Reiseveranstalter kann unabhängig davon Einwände bezüglich der in der Liste enthaltenen Vorwürfe erheben. Ihm müssen deshalb unabhängig von der Kenntnisnahme durch die Reiseleiterin noch binnen eines Monats nach der Rückkehr die behaupteten Beanstandungen erneut vorgetragen werden, soll die Forderung nach einer Reisepreisminderung Erfolg haben. (Amtsgericht Duisburg, Aktenzeichen: 45 C 394/07)

Jeden Mangel einzeln Rügen Pauschalreisende mehrere Mängel an ihrem Urlaubsquartier, so müssen sie jeden einzelnen Sachverhalt einzeln aufführen; eine Beanstandung während der nachfolgenden Gerichtsverhandlung nachzuschieben, bringt keine Preisminderung mehr. Urlauber hatten 25 Prozent Preisnachlass wegen Bauarbeiten, der ausgefallenen Klimaanlage, verschmutztes Wasser und „Baumaterial auf dem Spielplatz“ gefordert. Das Landgericht Frankfurt am Main vermisste das „Baumaterial“ in der ursprünglichen Mängelliste. Immerhin sprach es den verärgerten Urlaubern aber 23 Prozent Preisminderung zu. (Aktenzeichen: 2/24 S 215/06)

Störender Kongress

Sperrt ein Hotel, das vornehmlich von Urlaubern genutzt wird, für einen Kongress nicht nur Teile des Strands ab, sondern gibt es auch im Hotel Einschränkungen, kann der Veranstalter Reklamationen nicht damit abtun, es handele sich lediglich um „Unannehmlichkeiten“. Das Landgericht Frankfurt/ Main sah die Grenze zum Reisemangel überschritten und sprach den Klägern eine Reisepreisminderung von 15 Prozent zu. (Aktenzeichen: 2/24 S 53/07) W.B.

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