Der Tagesspiegel : Rechter Angriff vorgetäuscht: Angeblich Überfallener verletzte sich selbst

Frank Jansen

Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr ist in Brandenburg ein Überfall vorgetäuscht worden, den angeblich rechte Schläger begangen hatten. Ein 30 Jahre alter Potsdamer hat kürzlich gestanden, einen Angriff von vier Neonazis auf einen Afrikaner erfunden zu haben. Der Mann hatte behauptet, er sei am 7. März bei einer Fahrt mit der S-Bahn zwischen Berlin und Potsdam dem Opfer zu Hilfe gekommen. Die Neonazis hätten ihn deshalb mit Messerstichen verletzt. Dass er kurz darauf in Berlin von zwei Rechtsextremen angegriffen wurde, die sich als Postbeamte verkleidet hatten, habe sich ebenfalls als Märchen herausgestellt, teilte das Polizeipräsidium Potsdam mit. Gegen den 30-Jährigen, der sich selbst die Schnittverletzungen beigebracht hatte, wird wegen Vortäuschung einer Straftat ermittelt. "Wahrscheinlich wollte er Aufmerksamkeit erregen, nachdem ihn seine Freundin verlassen hatte", hieß es im Präsidium.

Zwei weitere Fälle klangen spektakulär, entpuppten sich aber auch als Fantasiegeschichten. So hatte eine 33-jährige Malaysierin Ende Januar behauptet, sie sei in Schildow (Oberhavel) von Neonazis entführt, misshandelt und dann im Carport des eigenen Hauses ausgesetzt worden. "Die Sache war komplett erfunden", glaubt der Leitende Oberstaatsanwalt von Neuruppin, Gerd Schnittcher. Zeitweise hatte eine 50-köpfige Sonderkommission ermittelt - doch fand sich weder der Container, in dem die Frau angeblich festgehalten worden war, noch konnten andere Widersprüche aufgelöst werden. Anlass für eine Vortäuschung könnten nach Informationen des Tagesspiegels familiäre Probleme der Frau gewesen sein.

"Der hat geschwindelt" lautet das Fazit der Cottbuser Polizei zwei Monate nach dem vermeintlichen Überfall auf einen dunkelhäutigen, elf Jahre alten Jungen in Lauchhammer. Die Männer hatten ein Alibi. Jede Vortäuschung nervt die Polizei: "Die Rechten schlachten das aus."

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