Rechtsextremismus : Berliner Neonazis zieht es nach Brandenburg

Neonazis aus beiden Bundesländern arbeiten immer enger zusammen. Schwerpunkte sind vor allem in Teltow-Fläming und Königs Wusterhausen.

Hannes Heine
Rechte
Rechte Umtriebe. Königs Wusterhausen gilt als Hochburg der NPD in Brandenburg. -Foto: ddp

Königs Wusterhausen - Brandenburg gerät in den Fokus von Berliner Neonazis. Nachdem die rechtsextreme NPD angekündigt hatte, mit Hilfe ihrer Berliner Bundeszentrale 2008 in alle Brandenburger Kommunalparlamente einzuziehen, beobachten Szenekenner, dass unabhängige Neonazis verstärkt in Brandenburg aktiv werden.

„Es gibt eine zunehmende Vernetzung zwischen Rechtsextremisten beider Länder“, heißt es vom „Mobilen Beratungsteam Tolerantes Brandenburg“. Antifaschisten aus Königs Wusterhausen berichten, dass Neonazis aus Berlin nahezu jedes Wochenende im südlichen Umland der Hauptstadt gesichtet würden.

Der Berliner Verfassungsschutz kennt diese Entwicklung. „Vor allem im Kreis Teltow-Fläming sind Berliner Rechtsextreme regelmäßig aktiv“, sagt Verfassungsschutzsprecherin Isabelle Kalbitzer. Allerdings vermutet die Behörde dahinter keine gezielte Strategie der rechten Szene, sondern sieht in dieser „Wanderbewegung“ eher eine Folge der zahlreichen Bekanntschaften zwischen Brandenburger und Berliner Neonazis. So hatten sich in den vergangenen Jahren Berliner Rechtsextreme immer wieder in Potsdam getroffen, um dort gemeinsam mit Brandenburger Gesinnungsfreunden Veranstaltungen linker Gruppen zu stören.

Auch die NPD sieht im märkischen Umland Berlins einen Schwerpunkt ihrer Parteiarbeit. „Wir haben gerade im Süden Berlins starken Zulauf“, sagt ein NPD-Sprecher. Der märkische Landesverband habe bald 250 Mitglieder. Nach eigenen Angaben hat die NPD allein in den vergangenen Monaten fünf Ortsgruppen in Brandenburg gründen können. Inzwischen existieren neben insgesamt zehn Ortsgruppen auch fünf Kreisverbände. Hochburgen seien Königs Wusterhausen, Herzberg und Elster-Werder.

Gerade in Königs Wusterhausen kann die NPD offenbar mit der Unterstützung so genannter freier Kameradschaften rechnen, die sich in losen Gruppen organisieren und sich als Freundeskreise verstehen.

Regelmäßig besuchten jugendliche Neonazis aus dem Umfeld der verbotenen Berliner Kameradschaften „Tor“ und „Baso“ Volksfeste und Sportveranstaltungen in der Region, heißt es von antifaschistischen Gruppen.

Erst am vergangenen Sonnabend hatte der Berliner Neonazi-Funktionär René Bethage als Vertreter der „Freien Kräfte“ auf einer NPD-Demonstration in Königs Wusterhausen gesprochen. Zu dem Aufmarsch hatten sich mehr als 250 Rechtsextremisten in der Innenstadt versammelt. An Gegenkundgebungen hatten sich knapp 1000 Menschen beteiligt. Am späten Abend verletzten zwei Neonazis einen Polizisten.

Bereits am Freitagabend waren rund 150 Anhänger linker Gruppen durch Königs Wusterhausen gelaufen. Am Rande der Demonstration erhielten 38 Neonazis von der Polizei Platzverweise, 15 wurden vorläufig in Gewahrsam genommen. Einige Rechtsextremisten hatten die linke Veranstaltung stören wollen, teilte die Polizei mit. Ein Neonazi habe sogar eine Gaspistole bei sich getragen.

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