Rechtsextremismus : Erst Pöbeleien, jetzt Schläge

Ablehnung als Alltagserfahrung: Die Familie Nguyen erlebt im brandenburgischen Beeskow regelmäßig fremdenfeindliche Attacken.

Matthias Matern
Beeskow
Der Gewalt ausgesetzt: Mit diesem Stein wurden die Scheiben des Lebensmittelladens eingeworfen. -Foto: Matthias Matern

Beeskow Nguyen Cong Thanh fühlt sich wohl in Beeskow, immer noch. Das versichert der 42-jährige Ladenbesitzer, obwohl er genug Gründe hat, sich in der Kreisstadt in Ober-Spree nicht willkommen zu fühlen. Fünfmal bereits wurde die vietnamesische Familie Nguyen Opfer fremdenfeindlicher Attacken. Zuletzt am vergangenen Sonntagabend. „Ich kam gerade mit meine Frau und meinem Sohn nach Hause. Da sah ich schon drei junge Männer vor unserer Tür stehen“, erinnert sich Nguyen. „Als ich aus dem Auto ausstieg und aufs Haus zuging, versuchte mir einer der drei, ins Gesicht zu schlagen. Dabei rief er ,Ausländer raus!‘ “, erzählt er.

Mit rassistischen Pöbeleien und Vandalismus in Beeskow hat die Familie mehr als genug Erfahrung. So schlimm wie am Sonntag aber sei es noch nie gewesen. Nicht nur, dass die Jugendlichen mehrmals versucht hätten, ihn mit einer Bierflasche zu schlagen. „Die haben auch meine Frau angegriffen und meinem Sohn gegen das Schienbein getreten“, berichtet Thanh. Der fünfjährige Nath Linh hat seitdem einen großen Bluterguss am Bein und Angst. Die 13-jährige Tochter Phuong war zum Zeitpunkt im Haus und somit in Sicherheit. Seine Frau könne seit der Attacke nicht mehr schlafen vor Angst, sagt der Ladenbesitzer.

Unbekannt waren die Täter Nguyen nicht. „Die gehörten zu einer Gruppe, die häufiger bei uns am Laden vorbeigelaufen ist.“ Gegen den 25-jährigen Haupttäter, der nach Angaben der Polizei zur Tatzeit stark alkoholisiert gewesen sein soll, wurde Anfang der Woche Haftbefehl erlassen. Ein weiterer 20-jähriger Tatverdächtiger wurde nach der Vernehmung wieder entlassen.

Beeskows Bürgermeister Fritz Taschenberger (SPD) versichert, wie „schrecklich“ er den erneuten Angriff finde. Doch es handele sich um eine Tat einzelner dummer unverbesserlicher junger Männer. Gestern Vormittag hat er der Familie einen Besuch abgestattet. Herr Nguyen habe ihm versichert, wie zufrieden er dennoch in Beeskow ist. Weitere Besuche, etwa von mitfühlenden Nachbarn, hat die Familie bislang aber nicht gehabt.

Fast 20 Jahre lebt Nguyen Cong Thanh schon in Deutschland. In den knapp anderthalb Jahren, die die Familie nun in Beeskow wohnt, wurde bereits zweimal ein Schaufenster des Ladens eingeworfen. Einen der großen Steine hat Nguyen aufgehoben. Und gerade erst habe er eine fremdenfeindliche Schmiererei an der Hauswand übermalt, erzählt der Ladenbesitzer von einem weiteren Vorfall. „Ausländer raus“, habe da eines Morgens gestanden. Schon ein halbes Jahr nach ihrer Ankunft sei seine Frau beim Putzen angepöbelt worden. „Warum haust du nicht ab?“, habe der Jugendliche gerufen.

Nguyen Cong Thanh ist trotzdem optimistisch. „Die Welt rückt immer mehr zusammen, und die Menschen werden irgendwann lernen, sich zu verstehen.“ 

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