Der Tagesspiegel : Rechtsextremismus: Immer wieder Guben

Frank Jansen

Der Name dieser Stadt ist längst ein Synonym für rechte Gewalt: Guben. Kaum eine andere Kommune in Brandenburg wurde 2000 so häufig in Negativ-Schlagzeilen genannt. Obwohl Rechtsextremismus kein punktuelles Phänomen darstellt, weder in Brandenburg noch im Osten überhaupt. Die Gubener Bilanz ragt heraus - schon weil die meisten Straftaten ausgerechnet während des Hetzjagd-Prozesses verübt wurden, in dem sich elf junge Männer aus der Neiße-Stadt verantworten mussten.

Das war 2000 in Guben: Rechtsextremer Aufzug in der Neujahrsnacht, mehrere Schändungen des Gedenksteins für den 1999 zu Tode gehetzten Algerier Farid Guendoul, antisemitische Schmieraktion am jüdischen Friedhof, Überfälle auf Ausländer und Deutsche, die nicht den Arier-Fantasien der Kahlkopfszene entsprechen. Das vorerst letzte Opfer ist ein in Guben aufgewachsener Student, Sohn einer mongolischen Mutter. Wegen seines "asiatischen Aussehens" wird er von Skinheads überfallen und erhält einen Messerstich in den Rücken.

Einen der mutmaßlichen Mittäter hat das Landgericht Cottbus am Ende des Hetzjagd-Prozesses, gerade mal sechs Wochen her, verwarnt. Offenbar ohne Wirkung. Innenminister Jörg Schönbohm erklärt Guben im März zum "Brennpunktbereich" - die Szene wütet weiter. Das Cottbuser Polizeipräsidium ordnet die Bewachung des Gedenksteins für Farid Guendoul an - zwei Beamte schauen zu, als ein Angeklagter aus dem Hetzjagd-Prozess das Mahnmal schändet.

So wird Guben beschädigt. Polizei, Justiz und Politik verfügen offenbar nicht über genügend Kraft, die Stadt aus dem Würgegriff brauner Gewalt zu befreien. Vielmehr fühlen sich die Schläger allseits bestätigt: Durch den Alltagsrassismus in Teilen der Bevölkerung, durch die milden Urteile im Hetzjagd-Prozess, durch das Unvermögen der Polizei, den Gedenkstein zu bewachen, durch wirkungslose Erlasse des Innenministers. Und was passiert 2001? Gibt der Rechtsstaat Guben auf?

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