Rechtsextremismus : Neonazis marschieren durch den Spreewald

Unbemerkt hatte sich eine große Gruppe Neonazis versammelt, um des Nachts ihrer Kameraden zu Gedenken. Mit Fackeln zogen sie durch den Spreewald - bis die Polizei kam.

Burg/HalbeRechtsextremisten aus Sachsen und Brandenburg sind am späten Freitagabend mit Fackeln durch Burg/Spreewald gezogen. Die durch Kollegen aus Sachsen und von Anwohnern alarmierte Polizei löste den Aufmarsch auf, wie ein Polizeisprecher am Samstag mitteilte. Dabei wurden 44 Personen über Nacht in Gewahrsam genommen. Sie seien am Samstagmorgen nach und nach wieder entlassen und in ihre Heimatorte zurückgeschickt worden. Es wurden Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz aufgenommen. Die Polizei vermutet, dass der Aufzug im Zusammenhang mit dem Volkstrauertag am Wochenende stand.

Vor dem Waldfriedhof in Halbe blieb es dagegen nach Angaben des Polizeisprechers am Samstag ruhig. Der Ort war in der Vergangenheit am Vortag des Volkstrauertags wiederholt als Aufmarschplatz von Neonazis missbraucht worden. Es seien dort weder Rechtsextremisten noch andere Demonstranten gesichtet worden. Die Polizei war mit "starken Kräften" vertreten, wie es hieß.

Im letzten Jahr nur fünf Platzverweise

In diesem Jahr war erstmals kein Aufmarsch angemeldet worden. Schon 2007 war ein angemeldeter Neonazi-Aufzug abgesagt worden, da das damals in Kraft getretene neue Gräberstättengesetz Versammlungen im Umfeld der Kriegsgräberstätte untersagt. Damals waren lediglich fünf Platzverweise gegen Rechtsextremisten ausgesprochen worden.

Auf dem Waldfriedhof sind rund 23.000 Menschen begraben. Neben Wehrmachtsangehörigen, die in der letzten großen Kesselschlacht des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945 fielen, liegen dort Zivilisten, hingerichtete Deserteure und Zwangsarbeiter. (mpr/ddp)

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