Rechtsextremismus : Neonazis mobilisieren Flashmob für Heß-Gedenken

Rechtsextreme rufen für Montagabend zu Spontan-Aktionen im Internet in zahlreichen Orten Brandenburgs auf. Die Polizei in Brandenburg reagiert mit einem Großaufgebot. Auch mit Gegenaktionen ist zu rechnen.

Alexander Fröhlich

Potsdam - Beobachter der Neonazi-Szene und Sicherheitsbehörden sind alarmiert: Für Montagabend um 19:30 Uhr planen Rechtsextremisten deutschlandweit sogenannte "Flashmob"-Aktionen zur Erinnerung an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß (1894 bis 1987). Denn erneut bleibt der traditionelle Gedenkmarsch im bayerischen Wunsiedel nach einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes verboten. Daher haben die Neonazis an mehr als hundert Orten Aktionen verabredet, nachzulesen auf einer Internetseite, benannt nach dem 17. August, Heß' Todestag im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis. Dort war Heß seit 1966 einziger Insasse. 1946 war der ehemalige Stellvertreter Adolf Hitlers bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Im Alter von 93 Jahren nahm sich Heß 1987 das Leben. Seitdem gilt er in der rechtsradikalen Szene als Märtyrer, für Neonazis wurde Heß vom britischen Geheimdienst ermordet.

Auch für Brandenburg haben die Rechtsextremisten im Internet vielerorts kurze Aufmärsche mit gleichem Ablauf angekündigt. Die Flashmobs - über Internet und Handy verabredete Menschenaufläufe auf öffentlichen Plätzen - sollen exakt um 19.30 Uhr starten: Die Neonazis wollen zunächst wie versteinert stehenbleiben, um "ein spannendes Stillleben für die Presse" zu schaffen, wie es im Internet heißt. Dann sollen die letzten Worte des Kriegsverbrechers vor dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg öffentlich und synchron verlesen werden. Es ist eine pseudoreligiös angehauchte Rechtfertigung des Hitler-Vertreters, genauso zu handeln, wie er es getan hat, obgleich er weiß "dass am Ende ein Scheiterhaufen für meinen Flammentod brennt". Vor dem "Richterstuhl des Ewigen" würde er freigesprochen. Wenn das braune Schauspiel beendet ist, sollen alle Teilnehmer die Plätze in unterschiedliche Richtungen schnell verlassen. Nach Informationen des Tagesspiegels wollen die Neonazis ihre Aktionen filmen und wenig später im Internet zeigen - um sich selbst zu huldigen. Innerhalb der NPD ist die Aktion aber umstritten, freie Kameradschaften höhnen in Internetforen bereits, man wolle nicht wie die zaghafte Parteispitze stets warten, bis Genehmigungen und Urteile für die Aufmärsche vorliegen.

Die Polizei in Brandenburg reagiert mit einem Großaufgebot auf den braunen Spuk. Rudi Sonntag, Sprecher des Potsdamer Präsidiums, sagte: "Wir sind gut aufgestellt. In den einzelnen Orten werden wir uns um jede Aktion kümmern." Näheres wollte er nicht sagen. Wahrscheinlich ist aber, dass die Polizei gegen die Neonazis wegen Straftaten vorgeht. Die nicht angemeldeten Aktionen dürften als Verstoß gegen das Versammlungsrecht gelten, der Vortrag der Heß-Worte als Volksverhetzung, wie aus Kreisen der Sicherheitsbehörden verlautete.

Auch mit Gegenaktionen ist zu rechnen. Bundesweit rufen Bündnisse gegen Rechts dazu auf. Angelika Thiel-Vigh, Leiterin von "Tolerantes Brandenburg", sagte: "Unser Netz ist aktiviert. Alle Initiativen gegen Rechts und die Städte sind informiert. So trifft sich der Cottbusser Aufbruch am Montagabend." Es sei aber möglich, dass die Neonazis über Handy und Internet den Flashmob spontan verlegen. Neben Cottbus planen Neonazis Aktionen in Bernau, Eisenhüttenstadt, Elsterwerda, Fürstenwalde, Falkensee, Königs Wusterhausen, Groß Beuchow, Peitz, Ruhland, Schwarzheide, Schwedt, Senftenberg, Velten, Vetschau und Wittstock. In Berlin ist laut der im Internet veröffentlichten Liste nichts vorgesehen.

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