Rechtsextremismus : Neonazis wollen Landgut in Rauen nicht räumen

Im Streit um das von Rechtsextremisten beanspruchte Anwesen in Rauen zeichnet sich eine Kraftprobe ab. Der Eigentümer des umstrittenen Gebäudes stellt ein Ultimatum - doch ein Neonazi plant dort für am Wochenende ein "Erntedankfest".

Frank Jansen

RauenAm Sonnabend will der NPD-Funktionär Andreas Molau auf dem Areal ein „Erntedankfest“ mit Parteifreunden und weiteren „Kameraden“ feiern. Es seien etwa 100 Teilnehmer zu erwarten, sagte Molau dem Tagesspiegel und sprach von einem „Familienfest“. Nach Informationen des Tagesspiegels wird aber entweder der Alt-Eigentümer, der noch im Grundbuch eingetragen ist, sein Hausrecht geltend machen – oder aber der neue Käufer, der im September die Immobilie erworben hat und mit einer „Auflassungsvormerkung“ im Grundbuch notiert ist. Jedenfalls verlangt der Alt-Eigentümer, dass am Sonnabend bis 12 Uhr mittags das Landgut Johannesberg in Rauen geräumt ist und die rechtsextreme Feier ausfällt.

Molau aber bestreitet, dass der Alt-Eigentümer oder der neue Käufer eine Absage des „Erntedankfests“ oder gar die Räumung des Areals erzwingen könnten. Die Vorbereitungen für die Feier liefen weiter, sagte Molau, der gemeinsam mit den Vorsitzenden der NPD-Landesverbände Berlin und Brandenburg nach Rauen einlädt. Damit zeichnet sich ein Konflikt ab, in den möglicherweise die Polizei eingreifen muss.

Für Molau ist allerdings auch, unter einer Bedingung, ein kompletter Rückzug vom Gelände denkbar. Er bestätigte Informationen des Tagesspiegels, wonach er Anfang der Woche mit dem Alt-Eigentümer, einem Rentner, gesprochen und angeboten hat, das Landgut gegen Zahlung von 50 000 Euro zu verlassen. Der NPD-Mann hält diese Summe für angemessen, da bereits „in Dächer und Leitungssysteme“ investiert worden sei. Auf dem Grundstück ist seit Monaten, wie berichtet, der Berliner NPD-Chef Eckart Bräuniger aktiv. Doch der Alt-Eigentümer beharrt auf einer Räumung.

Welche rechtlichen Möglichkeiten Molau hat, die Räumung zu vermeiden, ist unklar. Im Mai hatte seine Ehefrau im Namen einer mysteriösen schwedischen Firma den Kaufvertrag mit dem Alt-Eigentümer geschlossen. Für diesen wickelte ein Makler das Geschäft ab. Der Preis in Höhe von ungefähr 200 000 Euro wurde auf das Konto eines Notars überwiesen. Doch dann widerrief der Alt-Eigentümer die Vollmacht für den von ihm beauftragten Makler. Angeblich gab es Streit um „unzulässige Nebenabreden“. Damit konnte das Eigentum nicht mehr an Molaus Frau und das schwedische Unternehmen übertragen werden.

Im September erschien, wie berichtet, ein neuer Käufer, der mit dem Alt-Eigentümer rasch einig wurde. Angesichts befürchteter Racheakte von Neonazis möchte der neue Käufer keine Details zu seiner Person veröffentlicht sehen. Nach Informationen des Tagesspiegels plant die Landesregierung, gemeinsam mit dem Käufer ein soziales Projekt auf dem Anwesen aufzubauen. Noch in diesem Jahr wollen Regierung und Käufer ihre Pläne der Öffentlichkeit vorstellen.

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