Rechtsextremismus : Proteste gegen Nazi-Aufmarsch in München

Neonazis nahmen in München den Volkstrauertag zum Anlass, in einer Demonstration durch die Innenstadt zu ziehen. Sie erwartete eine Übermacht von Gegendemonstranten und bis zu 1000 Polizisten.

Gegendemo München
Gegendemonstranten vor dem Münchner Rathaus. -Foto: dpa

MünchenAm Rande einer Kundgebung gegen einen Neonazi-Aufmarsch in München hat die Polizei am Samstag etwa 80 Demonstranten vorläufig festgenommen. Gegen die dem linken Spektrum zugerechneten Beschuldigten werde unter anderem wegen Beleidigung, Verstoßes gegen das Waffengesetz und Landfriedensbruchs ermittelt, teilte die Einsatzleitung mit. Rund 600 Demonstranten waren einem Aufruf des Bündnisses für Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat gefolgt.

Im Anschluss an die Gegenveranstaltung zogen etwa 120 Neonazis durch die Münchner Innenstadt. Nazi-Gegner veranstalteten unter anderem auch Sitzblockaden gegen diesen Aufmarsch. Die Behörden hatten zur Vermeidung von Zusammenstößen beide Veranstaltungen zeitlich und räumlich weitgehend voneinander getrennt. Bis zu 1000 Polizisten waren eingesetzt, um einen friedlichen Ablauf sicherzustellen. Die Rechtsextremisten hatten ihre Demonstration gegen ein ursprüngliches Verbot der Stadt München gerichtlich durchgesetzt.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, äußerte sich entsetzt darüber, dass der Neonazi-Marsch nicht verhindert werden konnte. "Die Neonazis missbrauchen den Aufmarsch zum Volkstrauertag, um ihr NS-verherrlichendes Gedankengut öffentlich kundzutun. Neonazi-Aufmärsche an diesem und an anderen Tagen darf es nicht geben", sagte Knobloch in München. (mhz/dpa)