Rechtsradikalismus : Zeugen: Gewalt in Mügeln ging von Deutschen aus

Laut Zeugenaussagen ging die Gewalt gegen acht Inder in Mügeln von einer größeren Gruppe Deutscher aus. Die Gewalttäter seien teilweise aus Mügeln, teilweise aus einer nahen Ortschaft gekommen.

Mügeln
Weltbekannt. Die kleine Ortschaft ist zu trauriger Berühmtheit gelangt. -Foto: dpa

Zwei deutsche Augenzeugen schilderten der "Berliner Zeitung", dass die Inder in der Tatnacht das Festzelt zunächst verlassen hätten, nachdem sie dort bedroht worden seien. Anschließend seien sie vor dem Zelt auf eine große Gruppe Deutscher getroffen, die unmittelbar angefangen hätten, auf sie einzuprügeln. Die Inder seien auch mit Flaschen und Pfefferspray attackiert worden.

Schließlich hätten sie sich in eine nahe gelegene Pizzeria geflüchtet. Aus der sie verfolgenden Menge seien rechtsradikale Parolen wie "Ausländer raus!", "Türkenschweine raus!" und "Hier regiert der nationale Widerstand!", gebrüllt worden, so die Zeugen. Einige der Schläger seien aus Mügeln gewesen, andere verkehrten in einem als Neonazitreffpunkt bekannten Lokal aus dem nahe gelegenen Oschatz, heißt es.

Eine deutsche Angestellte der Pizzeria sei bereits zu Beginn der Eskalation vor dem Festzelt als "Ausländerschlampe" beschimpft worden, weil sie gemeinsam mit der Gruppe der Inder im Zelt getanzt habe. Die Sprecher der zuständigen Polizeidirektion standen für eine Bestätigung der Zeugenaussagen zunächst nicht zur Verfügung.

Die Ausschreitungen in der Nacht zum 19. August wurden schließlich von einer alarmierten Einsatzbereitschaft der Polizei beendet. Nach Polizeiangaben wurden bei dem Gewaltexzess insgesamt 14 Menschen zum Teil schwer verletzt, darunter sieben Inder und drei Polizeibeamte. Der Fall sorgte zusätzlich für Wirbel, weil der Bürgermeister des Ortes, Gotthard Deuse (FDP), rechtsextremistische oder fremdenfeindliche Motive im Zusammenhang mit dem Übergriff bislang ausschließt. (mit ddp)