Rechtsstreit : T-Mobile verkauft iPhone jetzt ohne Vertrag

In die Knie gezwungen: Vodafone hat die Telekom per Einstweiliger Verfügung dazu gebracht, die exklusive Vertragsbindung beim Kauf des iPhones aufzugeben. Ein weiterer Konkurrent erstattete Anzeige gegen T-Mobile. Ab sofort gibt es das Apple-Telefon zu einem neuen Preis.

iPhone
Heiß begehrt: Das iPhone von Apple. -Foto: AFP

Bonn/DüsseldorfDie Deutsche Telekom verkauft das Apple-Handy iPhone ab sofort ohne Vertragsbindung. Auf Grund einer gerichtlichen Entscheidung ist T-Mobile derzeit verpflichtet, das Apple iPhone auch ohne gleichzeitigen Abschluss eines T-Mobile Mobilfunkvertrages anzubieten, sagte ein Sprecher der Mobilfunksparte T-Mobile. Ohne Vertragsbindung und elektronische Sperre ist das Gerät zum Preis von 999 Euro in den Geschäften der Telekom erhältlich. Mit Vertragsbindung kostet das iPhone 399 Euro.

Die Telekom reagiert damit auf eine Einstweilige Verfügung von Vodafone D2, die vom Landgericht Hamburg erlassen wurde. Vodafone geht gegen das Koppelgeschäft von T-Mobile und Apple vor.

Vodafone: Kein Verkaufsstopp

Vodafone-Deutschlandchef Friedrich Joussen hatte das iPhone-Vertriebsmodell kritisiert. Sein Unternehmen hatte am Montag beim Landgericht Hamburg eine Einstweilige Verfügung gegen den exklusiven Vertrieb des Apple-Handys erwirkt. "Ich will mit der Einstweiligen Verfügung geklärt haben, ob diese Koppelgeschäfte erlaubt sind." Einen Verkaufsstopp verlangt Vodafone nach eigenen Angaben nicht. Apple äußerte sich nicht zu den Auseinandersetzungen.

Joussen begründete sein Vorgehen mit der Vertriebspraxis in anderen Ländern. In Frankreich kommt das Multimedia-Handy auch ohne exklusive Bindung an den Apple-Partner Orange auf den Markt, da das in Deutschland angewendete Vertriebsmodell gesetzlich untersagt ist. Nach Einschätzung von Vodafone-Manager Joussen könnten andere Handy-Hersteller wie Nokia oder Motorola dem Beispiel von Apple folgen und ebenfalls Mobiltelefone nur noch mit einem Netzbetreiber anbieten. Dies würde den Markt massiv verändern, weswegen er über den gerichtlichen Weg Klarheit erhalten wolle.

T-Mobile will sich wehren

Die Telekom will gegen die juristischen Maßnahmen von Vodafone D2 vorgehen. T-Mobile will Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung einlegen, um die Rechtsgrundlage gerichtlich klären zu lassen. "Wir sind zuversichtlich, dass wir im Recht sind", sagte Philipp Humm, Chef von T-Mobile Deutschland.

Humm verteidigte das Vertriebsmodell, weil die Telekom-Kunden darüber zu maßgeschneiderten Tarifen kämen. "Wir haben keinen Zweifel daran, dass die Erfolgsgeschichte des iPhone in Deutschland von Apple und T-Mobile fortgeschrieben wird." Seit Verkaufsstart vor anderthalb Wochen haben die Bonner dem Vernehmen nach mehrere zehntausend Apple-Geräte verkauft.

Anzeige wegen Linzenzverstoß

Nach Vodafone D2 geht auch Debitel juristisch gegen den Exklusivvertrag der beiden Unternehmen vor. Die Koppelung des Apple-Handys an das Mobilfunknetz von T-Mobile verstoße gegen die Mobilfunklizenzvereinbarung und sei damit rechtswidrig, sagte eine Debitel-Sprecherin. Bei der Bundesnetzagentur sei daher ein Lizenzverstoß anzeigt worden. Ein Behördensprecher bestätigte den Eingang der Debitel-Beschwerde.

Nach Ansicht von Debitel verlangen die Lizenzbestimmungen, dass Teilnehmern der Wechsel zu Mobilfunknetzen anderer Betreiber und zu Diensteanbietern ermöglicht werden muss. Das Apple-Handy iPhone wird nur in Verbindung mit einem Zweijahresvertrag von T-Mobile verkauft und ist durch eine elektronische Sperre nur im Telekom-Netz verwendbar. (mit dpa/AFP)