Reise : Finca-Urlaub im märkischen Sand

In eine Finca auf Mallorca, ein Landgut in der Toskana oder ein Ferienhaus auf Jütland? Spätestens im übernächsten Sommer könnten auf dieser Hitliste der beliebtesten Reiseziele für Ferienhaus-Urlauber auch märkische Namen stehen.

Claus-Dieter Steyer

Denn mehr als 3000 Domizile mit hohem Komfort werden nicht nur ganze Landstriche verändern, sondern vor allem den Tourismus in neue Dimensionen vordringen lassen. Wenn allein für das Projekt in der Tonstichgruben-Landschaft bei Zehdenick fast eine halbe Million Übernachtungsgäste in Aussicht stehen, dürfte das einige Hundert Arbeitsplätze und beträchtliche Steuereinnahmen bringen.

Die vorrangig aus Dänemark stammenden Entwickler und Vermarkter haben mit Sicherheit gerade in diesen finanzpolitisch unruhigen Zeiten genau gerechnet. Sie spüren am ehesten die abflauende Lust oder die schwindenden Möglichkeiten der Deutschen an einem Urlaub im Ausland. Weil viele Ferienhäuser an der dänischen Ost- und Nordseeküste leer bleiben, bringen sie diese nun eben zu den Deutschen.

Beim Vergleich der märkischen Standorte fällt ein Faktor sofort ins Auge: die Nähe zu Berlin. Keine Stunde braucht der Autofahrer sowohl von Zehdenick als auch von Brand, vom Werbellinsee oder von Bad Saarow in die Großstadt. Die in der Brandenburger Tourismuswerbung oft verschwiegene Sogwirkung der Metropole für Kunst, Kultur, Sport und Shopping ist hier endlich einmal als ein überzeugender Vorzug benannt worden. Die Kombination von Ruhe im Grünen und Trubel in der Großstadt gibt es nur hier.

Die große Zustimmung in den betroffenen Orten zu den Vorhaben liegt nicht zuletzt an der Auswahl der Bauplätze. Hier wird im Unterschied zu anderen Projekten kaum wertvoller Naturraum in Anspruch genommen. Die Tongruben für die großen Ziegeleien rund um Zehdenick entstanden schon vor mehr als 100 Jahren und dümpeln seitdem weitgehend vor sich hin. Im Wald am Freizeitpark „Tropical Islands“ hatten sich bis 1994 russische Soldaten ihre Kasernen sowie Panzer- und Flugzeughallen gebaut. Aus diesen Ruinen könnten jetzt gut besuchte Ferienressorts werden. Und die kurzen Anfahrtswege entlasten sogar noch das Ökogewissen der Urlauber.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben