Der Tagesspiegel : Reise in den Zaubergarten

Potsdam erhält eine neue Attraktion: Ab 14. September können Besucher der Biosphären-Halle auf Urwald-Pfaden wandeln

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Von Claus-Dieter Steyer

Potsdam. Gewiss, der für die neue Potsdamer Attraktion klingt etwas hölzern und nach Wissenschaft: „Biosphäre". Vielleicht wäre „Naturwunderhaus", „Tropenwelt" oder „Abenteuerwildnis" besser gewesen. Aber Jens Nitschke, Marketingleiter und kreativer Kopf des in Deutschland einzigartigen Konzeptes winkt ab.

„Geben Sie einem Projekt in der Vorbereitungsphase nie einen konkreten Namen", sagt er. „Der ist erfahrungsgemäß später kaum noch zu ändern." Er selbst hätte sich für „Zaubergarten Potsdam" entschieden. Aber nun werde das Glanzstück den griechischen Namen für Lebensraum erhalten.

„Biosphäre“ hieß die große Halle im Potsdamer Norden schon vor anderthalb Jahren. Hier zeigten während der Bundesgartenschau die Gärtner ihre Kunst. Nach langen Umbauten öffnet nun am 14. September ein viel Vergnügen und großes Staunen versprechendes Naturparadies. 20 000 tropische Pflanzen aus Baumschulen Floridas, darunter eine 400 Jahre alte und ursprünglich aus Neuseeland stammende Palme, sowie allerlei in unseren Breiten unbekannte Tiere sollen den Besucher begeistern. Zwei bis drei Stunden wird so ein Aufenthalt dauern.

Doch bevor sich der Gast in die schwüle Luft begibt, steht eine Zeitreise an. Ziel ist das Studierzimmer des vor 131 Jahren auf Schloss Branitz bei Cottbus gestorbenen Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Der schillernde Literat, Gartenkünstler und Frauenheld, der später zum Namenspatron für ein aus mehreren Schichten bestehendes Eis werden sollte, war allerdings niemals in den Tropen. Aber da ihm die Natur sehr am Herzen lag und er mit Branitz den letzten großen Landschaftspark des 19. Jahrhunderts schuf, passte er offenbar gut ins Konzept der Ausstellungsmacher. Hinter ihnen steht die private Besitzgesellschaft CxX Edutainment GmbH, zu der auch die Cinemaxx-Kinos gehören.

Die Einbeziehung von Pückler als Brandenburger Persönlichkeit brachte sicher auch einige Pluspunkte im Wettbewerb um die künftige Nutzung der Buga-Halle. Sie bleibt vorerst im Eigentum der Stadt. CxX zahlt dafür 10 000 Euro Jahrespacht.

Mit einem Kopfhörer im Ohr bummelt der Besucher auf verschlungenen Pfaden durch ein 4500 Quadratmeter großes Areal. Da der Dschungel angeblich immer Überraschungen bereithält, verfinstert sich in regelmäßigen Abständen die Halle. Auf Knopfdruck bricht ein großes Gewitter mit Donnerschlägen und starkem Regen los. Plötzlich verstummt die ansonsten gewöhnungsbedürftige Geräuschkulisse aus den versteckten Lautsprechern. Nebel breitet sich aus, um wenig später wieder zu verschwinden. Modernste Multi-Media-Technik macht die Illusion perfekt. Fünf Millionen Euro hat die gesamte Einrichtung gekostet. Alle Kulissen besorgte das Studio Babelsberg. Damit sich die Anlage rechnet, müssen pro Jahr mindestens 320 000 Eintrittskarten verkauft werden.

Wie Kapitän Nemo dürften sich die Gäste in einem U-Boot fühlen. An den Bullaugen schwimmen Fische aus warmen Gefilden vorbei. Wieder an Land, wird es unheimlich. Denn in einem Gang nisten Fledermäuse – echte und künstliche. Am Ende des Weges über die Wipfel der Bäume wartet der Ballon des Fürsten Pückler, der die Besucher wieder ins mitteleuropäische Potsdam bringt.

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