Der Tagesspiegel : Relativ gute Aussichten

Albert Einsteins Sommerhaus in Caputh wird restauriert. Wiedereröffnung soll im Mai 2005 sein

Claus-Dieter Steyer

Caputh – „Komm nach Caputh und pfeif auf die Welt“, hat Albert Einstein einst seinem Sohn Eduard geschrieben und ihm von einem wahren Paradies vorgeschwärmt. Das bestünde zwar nur aus einem See, einem Holzhaus, sandigem Boden und duftenden Kiefern. Aber hier finde er seine „relative Ruhe“. Allerdings, so klagte der Nobelpreisträger, habe dieses Paradies einen Mangel: „Es gibt dort keinen Erzengel, der mit feurigem Schwert neugierige Gaffer und lästige Besucher vertreibt.“

Auch heute stehen Neugierige, die das Sommerhaus von Einstein in Caputh hoch über dem Templiner und dem Schwielowsee besuchen wollen, vor verschlossenen Türen. Doch Besserung ist in Sicht: Im Mai nächsten Jahres, wenn sich die Verkündung der Relativitätstheorie zum 100. und der Todestag des Nobelpreisträgers zum 50. Mal jähren, soll das Gebäude wieder im Originalzustand eröffnet werden.

Gestern begannen die Arbeiten an dem 1929 errichteten Holzhaus. Eine halbe Millionen Euro steht dafür zur Verfügung. Die Summe bringen je zur Hälfte die Cornelsen Kulturstiftung und der Bund auf. Bauherr ist die Hebräische Universität Jerusalem, der die Immobilie nach einem langen Rechtsstreit jetzt zu 70 Prozent gehört. Den Rest besitzt eine Erbengemeinschaft, die aber ihren Anteil an die Uni verkaufen will.

„Da die Kollegen aus Israel nicht ständig vor Ort sein können, haben wir die Verantwortung übernommen“, sagte Susan Neimann, Direktorin des Potsdamer Einstein-Forums. „Wir halten das Vorhaben für äußerst wichtig, weil es nirgendwo sonst eine zugängliche Wohnung des genialen Physikers und Humanisten gibt.“

Einsteins Berliner Stadtwohnung sei im Krieg zerstört worden und sein Wohnhaus im amerikanischen Princeton werde intern von der Universität genutzt. Einstein habe zu Lebzeiten ausdrücklich verfügt, dass dieses Gebäude kein Denkmal werden dürfe.

Auch das Sommerhaus in Caputh, in dem der Erfinder mit seiner Familie von Sommer 1929 bis zu seiner Ausreise aus Deutschland im Dezember 1932 die meiste Zeit des Jahres lebte, wird kein reines Museum. „Wir wollen es an einem Tag in der Woche für Besucher öffnen“, erklärte Neimann. Sonst sollten „wissenschaftliche Klausurtagungen oder Gespräche im kleinen Rahmen stattfinden“.

Den heutigen Bauleuten kommt die gute Qualität der vom Architekten Konrad Wachsmann ausgesuchten Hölzer entgegen. „Die Bretter an den Außenwänden und im Innern bestehen aus hochwertigem Holz von amerikanischen Douglasien“, sagte Chef-Restaurator Bernhard Lange. „Wir müssen nur die später aufgetragenen Farbschichten entfernen, um den alten Zustand herzustellen.“

Erneuert werden auch das Dach, die elektrischen Leitungen, die sanitären Anlagen und der Garten. Im Innern existieren kaum noch originale Gegenstände. Das Inventar ist weit verstreut.

Schließlich diente das Haus nach dem Abschied der Einsteins zuerst einem jüdischen Kinderheim, der Hitlerjugend, dem Bund Deutscher Mädchen und nach dem Krieg gewöhnlichen Mietern. Von 1979 bis zur Wende war es Gästehaus der Akademie der Wissenschaften.

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