Religion : Restaurierte Torarolle in Kölner Synagoge aufgenommen

Fast 70 Jahre nach der Reichspogromnacht ist eine damals schwer beschädigte Torarolle von der jüdischen Gemeinde in Köln feierlich wieder in die Synagoge aufgenommen worden. Ein katholischer Geistlicher hatte die Rolle seinerzeit aus dem Gotteshaus gerettet.

Torarolle
Restaurator und Rabbiner Yishak Steiner schreibt in Köln-Ehrenfeld die letzten Buchstaben in die neue Torarolle. -Foto: ddp

Köln Die Torarolle war in den vergangenen Monaten in Jerusalem restauriert worden, die Kosten übernahm das Erzbistum Köln. Ein katholischer Geistlicher, Prälat Gustav Meinertz, hatte die Rolle in der Reichspogromnacht am 9. November 1938, als die Nazis in ganz Deutschland Synagogen zerstörten, aus dem brennenden Gotteshaus gerettet. Weil die Pergamentrolle mit den fünf Büchern Mose durch Feuer und Rauch beschädigt war, durfte sie nach jüdischem Brauch seitdem im Gottesdienst nicht mehr verwendet werden.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sagte, die Restaurierung der Torarolle zeige, "dass Hitler nicht gesiegt" habe: "Wir sind hier!" Auch die demokratische Verfassung der Bundesregierung fuße auf den fünf Büchern Mose, da von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen die Menschenwürde und die Unverletzbarkeit der Menschenrechte abgeleitet seien. Die Lehre aus der Verwüstung der Synagogen vor genau 69 Jahren sei klar: "Die Geschichte verpflichtet uns, den braunen Banden die Stirn zu bieten." Dazu gehöre es auch, sich der iranischen Regierung zu widersetzen, die den Holocaust leugne und das Land gleichzeitig atomar aufrüste.

"Kardinal Meisner, wunderbar"

Knobloch bedankte sich beim Kölner Kardinal Joachim Meisner dafür, dass er für die Finanzierung der Restaurierung gesorgt hatte. Diese Geste sei "alles andere als selbstverständlich" und ein "bedeutendes Zeichen". Auch die beiden Oberrabbiner von Israel, Schlomo Moshe Amar und Yona Metzger, die zu der Feierstunde nach Köln gereist waren, bedankten sich. "Kardinal Meisner, wunderbar", sagte Metzger auf Deutsch. "Schönen Dank." Meisner selbst sprach von einer "bewegenden Stunde" und großen Ehre für ihn. "Gegen massenhaften Wahn stellte Prälat Gustav Meinertz seine Tat", sagte er. "Wären es damals nur mehr gewesen, in Kirche und Gesellschaft."

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) schilderte seine Begegnung mit zwei Frauen, die als Kinder die Vernichtungslager der Nationalsozialisten überlebt hatten. "Wir sind jeden Tag aufs Neue gefordert, Mut und Zivilcourage zu beweisen", sagte er. "Wir müssen und werden alles daran setzen, dem Rechtsextremismus den Boden zu entziehen."

Torarollen sind kostbar. Ein geübter Schreiber, der jeden Tag acht Stunden auf seine Arbeit verwendet, braucht eineinhalb bis zwei Jahre, um eine Torarolle mit ihren insgesamt über 300.000 Wörtern fertigzustellen. In der Reichspogromnacht wurden schätzungsweise mehr als 10.000 Torarollen zerstört. (mit dpa)