Der Tagesspiegel : Rentner aus der Lausitz erfror in ungeheiztem Haus

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Großräschen - Ein 63-jähriger Rentner aus Großräschen in der Lausitz ist an den Folgen einer Unterkühlung gestorben. Nach Angaben der Polizei hatte ihn ein Nachbar am Montag in seinem ungeheizten und baufälligen Haus am Stadtrand gefunden. Er habe reglos am Küchentisch gesessen. Da der Mann nicht auf Ansprachen reagierte, habe der Nachbar den Notarzt verständigt. Dieser veranlasste nach ersten Untersuchungen sofort die Einlieferung ins Krankenhaus, wo der Mann kurze Zeit später starb. Im Haus maß die Polizei eine Raumtemperatur von minus 15 Grad, was der Außentemperatur entsprach. Offenbar besaß das Haus keine funktionsfähige Heizung, sondern nur einen Ofen. Kohle und Holz zum Befeuern seien vorrätig gewesen. Der Nachbar, der den Mann fand, gab an, er habe zwei Tage zuvor noch Feuer im Ofen gemacht und den 63-Jährigen daran erinnert, Scheite nachzulegen.

Der Mann ist bereits der dritte Brandenburger Kältetote in diesem Jahr. Am 3. Januar war auf dem Güterbahnhof Elsterwerda ein 41-jähriger Obdachloser erfroren. Er war seit 1998 der erste Kältetote in Brandenburg. Mitte Januar entdeckten dann Anwohner eine Leiche in einer nicht mehr genutzten Garage in Potsdam. Der 50-jährige Mann war ebenfalls an Unterkühlung gestorben.

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm rief die Bevölkerung zur Wachsamkeit auf: „Wer hilflose Menschen sieht, sollte sich an die Polizei wenden.“ Schönbohm wies außerdem die Polizei an, gezielt Orte aufzusuchen, an denen sich erfahrungsgemäß gefährdete Personen aufhielten. Der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Karl-Ludwig Böttcher, betonte, viele größere Städte brächten Obdachlose in den kalten Winternächten in Notunterkünften unter. Auf dem Land sei das Netz jedoch nicht so eng geknüpft.

Mit minus 20,6 Grad wurden in der Lausitz in der Nacht zu Dienstag die kältesten Temperaturen in Brandenburg gemessen. Zur Wochenmitte soll sich der Frost deutlich abschwächen.Ste./ddp

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