Ressourcen : Japan will Energienotstand mit gebrauchten Essstäbchen ausgleichen

Japan droht ein Energienotstand: Jetzt will das Land die Millionen gebrauchten Essstäbchen einsammeln, um daraus Biosprit zu gewinnen. Der Megakonzern Tepko musste erstmals seit 17 Jahren einen Notplan aktivieren, um der Stromnachfrage gerecht zu werden.

TokioZur Bekämpfung der Energieknappheit will die japanische Regierung die Millionen gebrauchter Essstäbchen aus Holz, die jedes Jahr weggeworfen werden, künftig zu Biosprit verarbeiten lassen. Das Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei plane, überall im Land Sammelboxen für die Essstäbchen aufzustellen, kündigte Ministeriumsvertreter Toyohisa Aoyama an. In Japan erhalten Kunden in Restaurants und Lebensmittelgeschäften ohne zu fragen Einweg-Essstäbchen gratis. Die 127 Millionen Einwohner Japans würden durchschnittlich 200 Paar Stäbchen pro Jahr benutzen, das wären 90.000 Tonnen Holz, rechnete das Ministerium vor.

Japan verfügt über so gut wie keine eigenen natürlichen Energiequellen. Die Essstäbchen, früher aus Holzabfällen in Japan hergestellt, stammen heute zu 90 Prozent aus China. Sie bestehen aus Bambus oder Espenholz, wie Aoyama sagte. Das Ministerium prüfe auch andere Abfälle auf ihre Verwertbarkeit als Lieferant für Biosprit, etwa Reisstroh. Untersucht werden soll demnach auch die CO2-Bilanz des Essstäbchen-Projekts: "Wir werden uns die Plus- und die Minusseite anschauen, die CO2-Emissionen eingeschlossen, die beim Einsammeln und beim Transport der Essstäbchen sowie bei der Biosprit-Produktion entstehen", sagte Aoyama weiter.

Energiekonzern aktiviert Notplan

In Japan droht ein Energie-Notstand: Wegen des Energiemangels musste erstmals seit 17 Jahren der Megakonzern Tokyo Electric Power (Tepco) einen Notplan aktivieren, um der Nachfrage nach Strom gerecht zu werden. Die anhaltende Hitze im ganzen Land sowie die Schließung eines Atomkraftwerkes haben nach Angaben des Unternehmens zu dem Engpass geführt. Mit dem Notplan könne Tepco laut Gesetz Großkunden zwingen, ihren Energieverbrauch zu verringern. Außerdem sollte noch im Laufe des Tages ein eigentlich stillgelegtes Wasserkraftwerk im Norden Tokios wieder ans Netz gehen.

Tokyo Electric Power ist der größte private Energiekonzern der Welt. Das Unternehmen hatte im Juli sein Kernkraftwerk in Kashiwazaki-Kariwa in Zentraljapan nach einem Erdbeben schließen müssen. Das größte Kernkraftwerk der Welt ist für die Versorgung Tokios immens wichtig. Neben diesem Problem macht Tepco auch die Hitze zu schaffen. Die Japaner lassen Tag und Nacht die Klimaanlagen laufen und verbrauchen dadurch viel mehr Strom als sonst. Zum bisher letzten Mal war der Energie-Notplan 1990 in Kraft gesetzt worden. (mit AFP)