Der Tagesspiegel : Rettung aus dem Riff

Firma in Schönefeld hat weltweiten Erfolg mit einer Seenot-Boje

Rainer W. During

Diepensee . Es sollte nach einer gelungenen Atlantiküberquerung der Höhepunkt zur Jahreswende werden, bei hochsommerlichen Temperaturen. Doch für die zweiköpfige Besatzung der deutschen Yacht „Spacetime“ endete der Karibik-Trip an einem Riff vor der Insel Barbuda.

Dass die Crew des sinkenden Schiffes binnen kürzester Zeit gerettet wurde, verdankt sie einer Notsignalboje aus Brandenburg. Zwölf Minuten nach dem ausgelösten Alarm war die Hilfe bereits unterwegs. Um 4.58 Uhr deutscher Zeit war der Notsender ausgelöst worden. Die Crew selbst kannte ihrer genaue Position zum Zeitpunkt der Havarie überhaupt nicht.

Doch binnen vier Minuten hatte das Signal mit den exakten Koordinaten per Satellit die Leitstelle der britischen Küstenwache und von dort das nächstgelegene französische Seerettungszentrum Fort de France auf Martinique erreicht. Um 5.10 Uhr war der Rettungskreuzer „Nicole“ bereits auf dem Weg und konnte später melden: „Schiff gesunken, Besatzung gerettet.“Mit herkömmlichen Rettungssendern wäre der Hilferuf bis zu vier Stunden unterwegs gewesen. Doch jeder Zeitverlust kann nach einem Unfall auf See fatale und das heißt häufig auch tödliche Folgen haben.

Gut 8000 Kilometer Luftlinie entfernt im kalten Deutschland sitzt Dr. Anselm Fabig im Büro seiner Firma Navtec am Flughafen Schönefeld und freut sich über den neuen Erfolg seiner Erfindung. Bereits während des Studiums an der Technischen Universität Berlin hat sich der heute 40-Jährige mit neuen Entwicklungen im Bereich der digitalen Signalverarbeitung einen Namen gemacht. Doch sein Emergency Position Indicating Radio Beacon (Notfallsender mit Positionsanzeige) wurde zum internationalen Renner.

Denn andere Rettungsbojen schicken ihre Signale zu Satelliten, die auf polaren Bahnen um die Erde kreisen, und da gibt es oft ein mehrstündiges Funkloch. Der EPIRB – so die Kurzform – nutzt dagegen als Relais die stets erreichbaren, im Orbit feststehenden Inmarsat- Nachrichtensatelliten. Gekoppelt mit einem Satellitennavigationsempfänger übermittelt die Boje vollautomatisch auch die Position des Havaristen und – auf einen entsprechenden Knopfdruck von der Kommandobrücke – die Art des Notfalls. Damit ist sie nicht nur schneller, sondern auch leichter als bisherige Modelle.

Die weltweite Nachfrage steigt. So ist aus dem Ein-Mann- Betrieb in wenigen Jahren ein aufstrebendes Unternehmen mit inzwischen zehn Mitarbeitern geworden, die in den Firmenräumen im Südteil des Airports die Bojen montieren. Inzwischen setzen auch die Militärs auf den Vorteil des ebenso schnellen wie handlichen Helfers. EPIRB’s gelten bei Auslandseinsätzen verschiedener NATOStreitkräfte nicht nur auf Schnellbooten, sondern auch an Bord von Transall-Transportflugzeugen und Sea-Lynx-Hubschraubern als Rückversicherung für eine schnelle Rettung im Notfall. Auch eine Zulassung für die Zivilluftfahrt wird ebenfalls angestrebt, konnte wegen der umständlichen Genehmigungsverfahren aber noch nicht realisiert werden.

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