Der Tagesspiegel : Rettung für digitale Daten

Bundeswehr-Uni baut Archiv alter Computer auf

Mit einem europaweit einzigartigen Projekt widmet sich die Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München der Datenrettung. Auf dem Gelände der Universität richtet Informatikprofessor Uwe Borghoff derzeit eine Sammlung mit Computern von den 50er Jahren bis zur heutigen Zeit ein. Die rund 2000 Geräte, unter denen zahlreiche ehemalige Supercomputer von Cray oder Silicon Graphics, aber auch „Commodore 64“-Heimgeräte und alte DDR-Rechner Marke Robotron sind, werden nicht nur ausgestellt. Sie sind voll betriebsfähig und können damit auch jahrzehntealte Datenträger lesen und die Inhalte auf moderne Speicher überspielen. Ein vergleichbares Projekt hat die Nasa aufgelegt – um die alten Daten des Apollo-Programms lesbar zu machen.

Die Schwierigkeiten bei der Nutzung digitaler Archive sind vielfältig. In der Staatsbibliothek in München etwa tauchten kistenweise Floppy-Disks und Disketten auf, deren Geheimnisse mit den eigenen modernen Computern nicht mehr entschlüsselt werden konnten. Sie haben schlicht keine Diskettenlaufwerke mehr. Borghoff konnte helfen.

Die Rechner aus sechs Jahrzehnten stehen in einem ehemaligen Flugzeughangar auf dem Uni-Gelände nebeneinander. Die Sammlung gehört dem Verein „Computer Museum München“. Initiator John Zabolitzky arbeitet jetzt eng mit Borghoff zusammen. 2013 soll aus den Museumsstücken eine wissenschaftlich voll nutzbare Einrichtung entstehen, die gleichzeitig die gesamte Historie der softwaregesteuerten Rechner präsentiert.

Zabolitzkys Computersammlung lagerte in Kellern, Garagen und einer angemieteten Halle. Eingesammelt hat er die Rechner unter anderem bei der Technischen Universität Berlin, bei der HypoVereinsbank in München, beim Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching oder auch beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Sie haben ihre ausgemusterten Hochleistungscomputer kostenlos zur Verfügung gestellt und waren oft froh, dass sich jemand um den Abtransport kümmerte. „Vielen Informatikern sind die Geräte so ans Herz gewachsen, dass sie sie nur ungern verschrotten würden“, sagt Zabolitzky. ddp

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