Rezession : Chemiebranche erleidet stärkstes Minus seit 1975

Angesichts der Wirtschaftskrise rechnet die deutsche Chemieindustrie mit dem größten Produktionseinbruch seit mehr als 30 Jahren. Zudem vermeldete die Branche für das erste Quartal einen drastisch schrumpfenden Umsatz und korrigierte die bisherige Prognose deutlich nach unten.

Frankfurt/MainDeutschland viertgrößter Industriezweig erwartet für dieses Jahr einen Rückgang der Produktion um zehn Prozent. Das wäre die stärkste Abnahme seit 1975, als sich die Produktion um rund zwölf Prozent verringerte. Bislang hatte die Chemieindustrie für 2009 mit einem Minus von lediglich 3,5 Prozent kalkuliert.

"Die Branche steht vor ihrer größten Herausforderung seit der Ölkrise Anfang der siebziger Jahre", erklärte der Verband der Chemischen Industrie (VCI). Die Unternehmen hätten bereits viele Anlagen abgeschaltet, so dass die Kapazität derzeit nur zu 72 Prozent ausgelastet sei.

Die schwierige Situation zeigte sich auch in der Umsatzstatistik. Gegenüber dem Vorjahr sackten die Zahlen für das erste Quartal branchenweit um 17 Prozent auf 34,5 Milliarden Euro ab. Für 2009 erwartet der VCI nun einen Rückgang von zwölf Prozent. Bislang lautete die Prognose auf sechs Prozent weniger Umsatz.

BASF schickt 1000 Beschäftigte in Kurzarbeit

Für die Beschäftigten blieb die Krise bisher offenbar ohne Folgen. Laut Verbandsangaben verharrte die Zahl der Mitarbeiter nahezu konstant bei rund 440.000. Allerdings reduzierten die Unternehmen Leiharbeiterstellen und setzten auf Kurzarbeit. Zudem fingen sie die mangelende Kapazitätsauslastung mit dem Abbau von Überstunden und Arbeitszeitkonten auf.

Der Chemiekonzern BASF kündigte an, ab Juni oder Juli am Standort Ludwigshafen 1000 Beschäftigte in Kurzarbeit zu schicken. Das sind weniger als bisher geplant. Vor einem Monat war das Unternehmen noch von 2000 bis 3000 Kurzarbeitern ausgegangen. (rf/dpa/Reuters)