Der Tagesspiegel : Rheuma ist nicht gleich Rheuma

100 verschiedene Krankheitsbilder erschweren oft eine eindeutige Diagnose

Elisa Hahn

Morgens sind die Gelenke steif, die Beweglichkeit ist beeinträchtigt und die Finger so dick, dass sogar das Aufdrehen des Wasserhahns schwer fällt. Rheuma hat viele Varianten und ist ein Überbegriff für Erkrankungen, die an Bewegungsorganen auftreten – fast immer mit Schmerzen und häufig mit Bewegungseinschränkungen verbunden sind.

Der Begriff Rheuma kommt aus dem Griechischen. Er bedeutet so viel wie fließender Schmerz. Generell werden vier große Hauptgruppen der Rheumakrankheiten unterschieden: Zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zählt die Arthritis. Eine degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankung ist beispielsweise die Arthrose. Zum Weichteilrheumatismus gehört das Krankheitsbild der Fibromyalgie.

Gicht hingegen zählt zu den Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden. Insgesamt sind mehr als 100 verschiedene Erkrankungen mit ganz unterschiedlichen Ursachen und Verläufen bekannt. Daher werden Patienten auch häufig von Arzt zu Arzt geschickt, und es können Jahre vergehen, ehe die richtige Diagnose gestellt wird.

Entgegen der landläufigen Meinung sind nicht nur alte Menschen von Rheuma betroffen, sondern auch Menschen mittleren Alters und sogar Kinder gehören zu den Patienten. Schätzungsweise 15 Prozent der Bevölkerung sind laut Deutscher Rheuma-Liga wegen rheumatischer Beschwerden mindestens ein Mal im Jahr in Behandlung.

Wer unter Rheuma leidet, sollte sich auf jeden Fall bei einem Facharzt in Behandlung begeben, empfehlen die Rheumaexperten. Die richtige Diagnose zu einem frühen Zeitpunkt sei bei allen rheumatischen Erkrankungen wichtig. Nur so könne eine effektive Therapie erfolgen und Folgeschäden vermieden werden. Rheumatologen sind Internisten oder Orthopäden mit einer entsprechenden Zusatzqualifikation. Sie können die verschiedenen Ursachen erkennen und die komplexen Therapiemöglichkeiten individuell auf den Patienten abstimmen.

Arthritis: „Die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke ist die rheumatoide Arthritis“, sagt Helmut Sörensen, Rheumatologe und Präsident der Deutschen Rheuma-Liga Berlin. Die rheumatoide Arthritis ruft Entzündungen in einer Vielzahl von Gelenken hervor. Die genaue Ursache dieser Autoimmunerkrankung ist bis heute noch nicht geklärt. Es handelt sich um eine Fehlsteuerung des Immunsystems. „Die Gelenkinnenhaut, die die Flüssigkeit zur Ernährung des Knorpels und zur ,Schmierung’ des Gelenks herstellt, verdickt sich plötzlich sehr stark. Es kommt zur Absonderung von entzündlicher Flüssigkeit und die Zellen werden plötzlich aggressiv, wuchern in die Knorpel, Kapseln, sogar in die Knochen und zerstören sie“, sagt Helmut Sörensen. „Dabei spielen Botenstoffe und fehlgeleitete Antikörper, die sich gegen das eigene Gewebe richten, eine große Rolle.“

Aber auch Infektionserreger und erbliche Veranlagungen sehen Forscher als Grund für den Ausbruch der Krankheit. So wird oft eine Vielzahl an therapeutischen Maßnahmen gleichzeitig eingesetzt, die je nach Krankheitszustand des Patienten zusammengestellt werden. Doch die Krankheit an sich ist nicht heilbar. Zu den Maßnahmen der Symptomlinderung gehören unter anderem Krankengymnastik, Ergotherapie, medikamentöse Therapie sowie orthopädische Therapie. Auch die psychologische Therapie spielt eine große Rolle, denn große Umstellungen im täglichen Leben sind erforderlich und viele Tätigkeiten, die als selbstverständlich scheinen, sind nicht mehr möglich.

Arthrose: Zu den häufigsten Gelenkerkrankungen weltweit gehört die Arthrose. Unter Arthrose versteht man Gelenkkrankheiten, die durch eine großflächige Knorpelschädigung eines Gelenks gekennzeichnet sind. Am häufigsten tritt sie in Knie- und Hüftgelenken auf. Besonders alte Menschen sind gefährdet.

Generell sind die Risikofaktoren Übergewicht, mangelnde Bewegung sowie körperliche Überlastung. Auch eine genetische Veranlagung spielt eine Rolle. Betroffene klagen häufig über so genannte Anlaufschmerzen nach dem Aufstehen aus dem Bett oder vom Stuhl.

„An erster Stelle der Behandlungsmöglichkeiten sollte die physikalische Therapie stehen, das heißt Maßnahmen unter Anwendung von Kälte, Wärme und auch Bewegung“, meint Sörensen. Das wichtigste therapeutische Ziel ist es, die Beweglichkeit wieder zu ermöglichen. Doch auch Medikamente aus der Gruppe der nichtsteriodialen Antirheumatika (NSAR) haben sich als sehr gut wirksam gezeigt.

Fibromyalgie: Die Fibromyalgie ist eine weitere chronische Rheumaerkrankung, die sich vor allem in starken Muskelschmerzen äußert. Die Gelenke sind dabei nie beeinträchtigt, aber es schmerzt der gelenknahe Bereich. „Es kommt zu bislang ungeklärten Schmerzzuständen an Sehnen und Muskelansätzen, ohne dass Entzündungen nachzuweisen sind. Daher ist die Therapie auch sehr schwierig“, sagt Helmut Sörensen. Auch dieses Krankheitsbild ist noch nicht allzu bekannt. Als Hauptursache nehmen die Forscher schlecht verarbeiteten Stress und körperliche Überlastung an. Auch hier ist die Diagnose nicht immer eindeutig und die Therapie muss vielfältig an die unterschiedlichen Beschwerden angepasst werden.

Gicht: Im Gegensatz zu den primär entzündlichen oder degenerativen rheumatischen Erkrankungen ist Gicht eine Stoffwechselerkrankung, die sich gut behandeln lässt. Mit Hilfe von Medikamenten und durch eine geeignete Ernährung kann neuen Gichtanfällen in der Regel vorgebeugt werden. Bei den an Gicht erkrankten Menschen wird Harnsäure in zu großen Mengen produziert oder nicht ausreichend ausgeschieden. Sie lagert sich vor allem in Gelenken, Schleimbeuteln und unter der Haut ab. Die Medikamente beeinflussen und regulieren den Harnsäure-Stoffwechsel und eignen sich zu Dauerbehandlungen. Zudem sollte man auf viel Bewegung sowie auf eine kalorien- und purinarme Ernährung achten.

Weiteres im Internet:

www.rheuma-liga.de

www.rheuma-liga-berlin.de

www.rheuma-online.de

unter: www.rheuma-zentrum.com

www.medizininfo.de

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