Der Tagesspiegel : Riesen in der Lagune

Hohe Wellen, verpestete Luft: Venedig wehrt sich gegen Kreuzfahrtschiffe

Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine am Computer erstellte Bildcollage für einen Hollywood-Katastrophenfilm: Ein gigantisches schwimmendes Hochhaus nähert sich unaufhaltsam den an Spielzeugbauten erinnernden Sehenswürdigkeiten der Lagunenstadt Venedig. Dann schiebt sich der 300 Meter lange Kreuzfahrtkoloss am Dogenpalast und der Pestkirche vorbei durch den Giudecca-Kanal zum Anlegeplatz.

Nein, es ist keine Filmtricktechnik wie bei George Lucas, in der Stadt der Gondeln und Kanäle hat nur die Saison der Kreuzfahrtschiffe begonnen. Und das ruft sofort auch Gegner auf den Plan: Umweltschützer, Linke sowie alteingesessene Venezianer. „Venezia crepa“ (Venedig krepiert) steht an so mancher Kanalmauer.

„Invasion der Seemonster in Venedig“, nennt es die Zeitung „La Repubblica“ aus Rom und lässt die Kritiker der Kreuzfahrtriesen und griechischen Großfähren zu Wort kommen: „Sie fahren knapp am Markusplatz vorbei und gefährden die historischen Bauwerke, denn sie bewegen ganz erhebliche Wassermengen, verursachen Vibrationen und verpesten die Luft.“ So bewegen sich unter den „normalen“ Venedig-Touristen in der Saison auch ungezählte Kreuzfahrtgäste. Davon profitierten aber nicht die Venezianer, sondern die Reiseveranstalter, sagen Kritiker.

Immer wieder gibt es auch Protestveranstaltungen, so dass Bürgermeister Massimo Cacciari dazu aufgerufen ist, die Wellen zu glätten. „Kreuzfahrtschiffe in Venedig, aber außerhalb der Lagune“, verlangen die Gegner. Außerdem brauchten die Kreuzfahrtschiffe eine tiefe Fahrrinne, was zu dem sich wiederholenden Hochwasser in der Lagunenstadt beitrage. Die Debatte über die Schiffsriesen hat sich verschärft, seit einer vor vier Jahren vor dem Dogenpalast im Nebel auf Grund lief. Heute sind Bugsierschlepper als Helfer im Einsatz.

Die „Amici di Venezia“ (Freunde Venedigs) haben nun eine Wanderausstellung mit Fotos zusammengestellt, in der sie Venedig als „Luna-Park“ kritisieren und anprangern, dass für Kreuzfahrten „mit Blick auf den Markusplatz“ geworben werde. Sicher würden die Reiseunternehmen ihre schwimmenden Hotels am liebsten direkt beim Dogenpalast festmachen. Cacciari muss nun eine Lösung suchen, die allen gerecht wird – also auch den für Venedig so wichtigen Wirtschaftsfaktor Tourismus nicht torpediert. dpa

Internet:

www.turismovenezia.it

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