Der Tagesspiegel : Riggers chemical AG: Wieder Chemiefasern aus Premnitz

Claus-Dieter Steyer

Den gestrigen Donnerstag will der Premnitzer Bürgermeister Roy Wallenta als "Freudentag" in der Stadtchronik vermerken. "Im traditionsreichen Chemiewerk wird in Kürze wieder produziert. Das bringt Arbeitsplätze und damit Hoffnung", sagte das parteilose Oberhaupt der 9000 Einwohner zählenden Stadt zwischen Brandenburg und Rathenow. Kurz zuvor hatte Wolfgang Riggers von der gleichnamigen Unternehmensgruppe mit Sitz in Bremerhaven sein Engagement bestätigt.

"In drei bis vier Monaten starten wir mit der Produktion von Viskose", teilte der Investor mit. 170 bis 180 Fachleute würden eingestellt und in den nächsten drei bis vier Jahren 34 Millionen Mark investiert. Der Ort für die Information war mit Bedacht gewählt. Im großen Spinnsaal drehten sich im November letztmalig die großen Maschinen. Die damaligen spanischen Eigentümer hatten Insolvenzantrag gestellt und das Gelände "Hals über Kopf verlassen". So formulierte es der Insolvenzverwalter Horst Piepenburg. Er habe einige Wochen vergeblich versucht, die Produktion fortzuführen. "Aber den Verlust von einer Million Mark monatlich finanziert keine Bank." Deshalb hätten alle 300 Arbeiter entlassen werden müssen.

Der Weg zum großen Spinnsaal führte durch eine Ruinenlandschaft. Verfallene Werkhallen, defekte Rohre, Löcher in der Erde und wegen ihren Zustandes bedrohlich wirkende Chemiebehälter ließen kaum erkennen, dass hier vor zehn Jahren noch 6600 Menschen ihren Arbeitsplatz hatten. "Alle so genannten Investoren nach der Treuhand-Ära haben den Betrieb auf Verschleiß gefahren", erklärte die Betriebsratsvorsitzende Sabine Kindler. Es sei nichts investiert worden. Kleinere Firmen böten heute wieder Jobs für rund 1200 Leute. "Deshalb sind wir so hoffnungsvoll, dass in absehbarer Zeit wieder die großen Viskosemaschinen laufen." Bürgermeister Wallenta rechnete schnell durch: "Jeder Arbeitsplatz in der Produktion zieht drei bis vier Jobs in der Dienstleistungsbranche nach sich."

Der neue Investor Wolfgang Riggers will 20 Prozent der angepeilten Jahresproduktion von 2000 bis 2500 Tonnen Viskose in der eigenen Unternehmensgruppe für Dialyse-Maschinen verwenden.

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