Roaming-Gebühren : Telefonieren im Ausland oft noch unnötig teurer

Mit der EU-Verordnung sind die Preise für Telefonate im Ausland endlich gesunken - aber immer noch häufig zu hoch. Viele Anbieter schöpfen die neue Obergrenze voll aus und halten mit Informationen über Sparmöglichkeiten gerne hinter dem Berg.

Roland Siegloff[dpa]
Handy
Viele Anbieter versuchen immer noch auf ihre Kosten zu kommen. -Foto: dpa

BrüsselDie ganz große Abzocke ist vorbei. Handy-Gespräche im Ausland werden dank einer neuen EU-Verordnung tatsächlich flächendeckend billiger - zufrieden präsentierte die Europäische Kommission einen Zwischenbericht mit diesem Tenor. Das Papier zeigt aber auch: Noch immer zahlen viele Kunden mehr, als eigentlich nötig wäre. Und Verbraucherschützer dringen auf weitere Verbesserungen.

Viele Mobilfunk-Anbieter schöpfen die neue Obergrenze für die Telefonate im EU-Ausland weitgehend aus: Sie verlangen 49 Cent plus Mehrwertsteuer pro Minute für eine selbst gewählte Verbindung und 24 Cent vor Steuern für ein angenommenes Gespräch. Selbst zahlten die Unternehmen für das sogenannte Roaming aber nur 10 bis 14 Cent, betont Levi Nietvelt von der Europäischen Verbraucher-Organisation BEUC: "Wir sind sehr weit von den wahren Kosten entfernt."

Unternehmen sparen mit Informationen

Auch bei den Informationen hapert es bisweilen: Ein Anbieter etwa kündigte seinen Kunden nur eine automatische Umstellung des Tarifs Ende September an. Unerwähnt blieb, dass die Verbraucher auf Antrag schon einen Monat früher günstiger telefonieren können. Die Brüsseler Behörde will bis Oktober klären, ob da alles mit rechten Dingen zuging. Etliche Firmen schöpften auch die Übergangsfristen voll aus - in der Hauptreisezeit galt noch der höhere Tarif.

Ein deutscher Anbieter zeigte sich kundenfreundlicher: T-Mobile bot den Wechsel zum Eurotarif zum 1. Juli an - allerdings mit 48,73 beziehungsweise 23,52 Cent plus Steuern nahe der erlaubten Obergrenze. Der polnische Anbieter P4 senkte seine Tarife bereits am 22. Juni - noch bevor die Verordnung in Kraft trat - auf 43 und 22 Cent. Und ein britischer Mobilfunkbetreiber namens drei zeigt, dass es deutlich günstiger geht: mit 31,57 und 12,63 Cent pro Minute.

Verbraucherschützer fordern Kostenbegrenzung bei SMS und Co

Im Internet gibt die Kommission erstmals einen Überblick über die gesenkten Preise. Zugleich warnt ihr Sprecher Martin Selmayr, das Roaming sei nicht der einzige Kostenpunkt: "Wir empfehlen bei der Wahl eines Anbieters deshalb, auch die anderen Tarife zu vergleichen." Bei den anderen Gebühren sehen Verbraucherschützer nun Nachholbedarf: Die EU sollte bei Diensten zur Übermittlung von SMS, MMS und Computerdaten ebenfalls Höchstpreise festlegen.

In den Niederlanden hätten 60 Prozent von 600 Befragten erklärt, sie benutzten das Internet auch im Urlaub, berichtet BEUC-Experte Nietvelt. Aber nur vier Prozent täten dies mit ihrem Handy. Wenn die Kosten keine Rolle spielten, würde dieser Anteil auf 23 Prozent steigen. "Wenn die Kommission will, dass die Verbraucher das Internet mobil nutzen, dann muss sie dies angehen", sagt Nietvelt. Von sich aus senkten die Anbieter ihre Preise nicht.

Bevor die Brüsseler Behörde eine neue Vorschrift entwirft, will sie zunächst die Auswirkungen der aktuellen Verordnung über das Roaming bewerten. Der Bericht dazu soll in anderthalb Jahren vorliegen. Bis dahin, so die Hoffnung in Brüssel, haben sich günstige Preise und korrekte Informationen vielleicht doch als wirksames Mittel zur Kundenwerbung durchgesetzt.