Der Tagesspiegel : Rocker gegen Rocker

Hells Angels und Bandidos: zwei Motorradklubs, die sich bekriegen. Zum Harley-Davidson-Treffen in Berlin kommen sie zwar nicht. Zusammenstöße fürchtet die Polizei dennoch. Was sind das für Klubs?

Christian Tretbar

In Alarmbereitschaft ist die Berliner Polizei an diesem Wochenende auf jeden Fall. „Wir werden mit etwa 1000 Mann im Einsatz sein“, sagt Stefan Weiß. Er ist Einsatzleiter beim Rocker-Auflauf am Wochenende in Berlin. Das Harley-Davidson-Treffen ist dabei noch nicht einmal die größte Sorge der Berliner Polizei. Vielmehr haben sie zwei andere Motorradklubs im Blick: die Hells Angels und die Bandidos. Die haben untereinander kein gutes Verhältnis. Weiß berichtet davon, dass es zuletzt immer wieder Übergriffe unter den Banden gegeben hat – mit Waffen, Messern und Äxten. Verstärkt unter Kontrolle der Berliner Polizei wird das Klubhaus der Hells Angels am Spandauer Damm stehen, wo sich die Hells Angels treffen wollen. Aber auch andere Orte seien unter besonderer Beobachtung, sagt Weiß. Beide Organisationen werden vom Verfassungsschutz beobachtet. Immer wieder werden Mitglieder dieser Gruppen mit der Organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht. Dabei soll es um Prostitution und Waffenbesitz gehen. Warum sich die beiden Rocker-Banden bekriegen, hat unterschiedliche Gründe. Meistens geht es aber um Macht – darum, wer in einem Gebiet die Vormachtstellung hat. In Deutschland haben beide Klubs in vielen Städten Untergruppierungen.

Die Hells Angels wurden am 17. März 1948 in Kalifornien gegründet. Ihr Name geht auf eine Bomberstaffel der US Air Force zurück, die im Zweiten Weltkrieg Luftangriffe auf Deutschland geflogen hat. Deshalb ziert auch ein Totenkopf mit Flügeln das Wappen der Bande. Nach und nach schlossen sich weitere Klubs unter diesem Namen zusammen. In Deutschland wurde in den 70er Jahren die erste Hell’s Angels-Gruppe in Hamburg gegründet. Allerdings ist sie seit 1983 dort auch schon wieder verboten. Auch die Düsseldorfer Gruppe gilt als kriminelle Vereinigung und ist verboten. Unrühmliche Bekanntheit erlangten die Hells Angels 1969 bei einem Rolling-Stones-Konzert im nordkalifornischen Altamont. Mitglieder des Motorradklubs fungierten dort als Ordner. Im Lauf des Konzerts kamen vier Menschen ums Leben, einer davon wurde von einem Ordner bei einer Messerstecherei getötet. In Deutschland hat der Klub schätzungsweise 700 Mitglieder und rund 42 Clubs. Um aber Mitglied zu werden, muss man eine harte Prozedur durchlaufen. Erst wird man als sogenannter „Hangaround“ beobachtet. Danach ist man mindestens ein Jahr lang „Prospect“ – eine weitere Vorstufe, ehe man Mitglied werden kann.

Die Bandidos wiederum sind ein Klub, der 1966 in Houston, Texas, von Vietnam-Veteranen gegründet wurde. Die Farben des Klubs, Rot und Gold, gehen auf das Wappen der US-Marines zurück. Vor allem im Osten, aber auch in Hamburg sollen sie besonders aktiv sein. Die erste deutsche Bandidos-Sektion gründete sich 1999 in München. Mittlerweile liefern sich die Bandidos mit den Hells Angels einen harten Kampf darum, wer in der Motorradklub-Szene das Sagen hat. Zahlreiche Verletzte und auch Tote hat es bereits gegeben.

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