Rohstoffe : Ölpreis steigt auf neuen Rekordstand

Der US-Ölpreis hat einen neuen Rekordstand von über 100 Dollar erreicht. Leere US-Rohöllager trieben den Preis in die Höhe. Bereits gestern hatte der Ölpreis erstmals die Rekordmarke von 100 Dollar erreicht. Auch Gold wurde weiter teurer.

Rohöllager
Die Vorräte schwinden. Fallende Rohöllagerbestände in den USA könnten den Ölpreis weiter belasten. -Foto: AFP

Nun ist er endgültig drüber: Der Ölpreis hat erstmals die 100- Dollar-Marke überschritten. An den Rohstoffmärkten übersprang der Preis für das Fass US-Rohöl kurzzeitig diese magische Marke. Gestern hatte der Ölpreis in New York erstmals die Rekordmarke von exakt 100 Dollar erreicht. Auch der Goldpreis übersprang das Rekordhoch des Vortages von über 860 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Analysten zufolge nimmt das Edelmetall nun einen Preis von 900 Dollar ins Visier.

Das US-Energieministerium hatte bekanntgegeben, dass die US-Rohöllagerbestände in der vergangenen Woche überraschend deutlich gefallen waren. Die Vorräte an Rohöl seien um vier Millionen Barrel auf 289,6 Millionen Barrel zurückgegangen. Kurz darauf schnellte der Preis für US-Rohöl auf 100,05 Dollar je Barrel, in London auf 100,12 Dollar. Wenig später sackte der Ölpreis dann wieder unter 100 Dollar.

200 Dollar? "Überhaupt nicht absurd"

Experten halten weitere Preissprünge bei Öl und auch bei Gold für möglich. Aktuell treibe vor allem die anspannte politische Lage in Nigeria und Pakistan den Ölpreis nach oben, sagte Klaus-Jürgen Gern, Rohölexperte beim Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Zudem verursachten Schwierigkeiten bei der Angebotsausweitung und drohende Produktionsausfälle steigende Ölpreise. 150 Dollar pro Barrel in fünf Jahren und in zehn Jahren gar 200 Dollar, wie vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostiziert, hält Gern für "überhaupt nicht absurd".

Ölexperte Gern warnte davor, die Probleme in Afrikas größtem Förderland Nigeria zu vernachlässigen. Anschläge auf Öleinrichtungen und Instabilität haben zu einem Rückgang der Ölförderung um 20 Prozent seit 2006 geführt. "Sollte es hier zu einer weiteren Verschärfung kommen, ist dies angesichts des knappen weltweiten Angebots ein großes Risiko für die Ölversorgung", sagte Gern. "In der derzeitigen Lage wird jedes Ölförderland gebraucht."

Spekulanten sind ebenfalls schuld

Die Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands MWV, Barbara Meyer-Bukow, nannte neben politischen und strukturellen Schwierigkeiten auch die Spekulation als Grund für die hohen Rohstoffpreise. Fondsmanager hätten die Rohstoffmärkte wohl wieder ins Visier genommen und erneut einen "sportlichen Ehrgeiz" in Richtung der 100-Dollar-Schwelle entwickelt. "Grundsätzlich hat sich nichts geändert: Es gibt ein ausreichendes Angebot für die Nachfrage nach Rohöl", sagte Meyer-Bukow.

Auch die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, sieht den jüngsten Preisanstieg zu großen Teilen spekulationsbedingt:  "Eine Entspannung beim Ölpreis ist in den nächsten Wochen deshalb nicht zu erwarten. Ich rechne kurzfristig sogar eher mit einem weiteren Anstieg bis auf 105 Dollar." (ck / dpa)