Der Tagesspiegel : Rosige Aussichten

KOMMENTAR von Claus-Dieter Steyer

Wenn sich in knapp zwei Wochen die Parktore von Sanssouci wieder zum abendlichen Lustwandeln öffnen, stellt sich oft ein sehnsuchtsvolles Gefühl ein. Diese Harmonie der prachtvollen Gebäude mit der Gartenkunst möchten viele Gäste gern öfter in der Abendsonne erleben. Doch da es die Schlössernacht auch künftig nur einmal im Jahr geben wird, muss für die Träume eine andere Lösung her: Man zieht einfach in den Park Sanssouci.

Die mehr als 250 Jahre lang als absurd geltende Idee scheint greifbar nahe, die knappen Kassen zwingen zum Handeln. Aus leeren Immobilien oder auf ungenutzten Grundstücken der Schlösserstiftung könnten Eigentums- oder Ferienwohnungen entstehen. Die Überlegung ist zwar nicht neu, aber jetzt scheint es loszugehen. Mit Nachdruck sucht die Stiftung nach seriösen Partnern, die sich im schwierigen Maklergeschäft auskennen und einen Teil des Risikos tragen.

Das ist nur zu begrüßen. Schließlich würde ein zu großes finanzielles Engagement auf artfremdem Gebiet der Stiftung nicht gut zu Gesicht stehen. Unvergessen sind die Klagen über bröckelnde Fassaden, Decken oder gar Mauern. Für deren Rettung fehlt das Geld. Eine gewiss nicht kleine Summe könnte aus Vermietung, Verpachtung oder gar Verkauf kommen.

Dabei müssen die Hüter des königlichen Erbes gar nicht alles neu erfinden. Überall im Land hat die vom Land Brandenburg und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz getragene Schlösser GmbH ihre Spuren hinterlassen. Herrenhäuser und Schlösser wie in Reichenow und Steinhöfel sowie künftig in Fürstlich Drehna haben den Wandel zum Hotel geschafft, in Diedersdorf bei Seelow sind Büros eingezogen. Der historische Wert der Bauten nahm durch die neue Nutzung nirgendwo Schaden. Eher wurde manche Perle vor dem Verfall gerettet.

Leider stoppte Brandenburg seine finanzielle Beteiligung an der Schlösser-Gesellschaft fast völlig. Doch das Grundprinzip des erfolgreichen Miteinanders zwischen staatlichen und privaten Stellen hat sich bewährt und könnte nun auch bei den Immobilienprojekten der Schlösserstiftung zum Erfolg beitragen. So könnte es vielleicht bald heißen: „Wohnen und Ferien in Sanssouci“.

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