Rote Moschee-Erstürmung : Zehntausende protestieren gegen Präsidenten

Zwei Tage nachdem die rote Moschee erstürmt wurde, in der sich Islamisten verschanzt hatten, haben zehntausende Menschen gegen den Präsidenten Musharraf protestiert. Sie warfen ihm vor "Amerikas Schoßhund" zu sein.

Rote Moschee
Nach Erstürmung der Roten Moschee: Zehntausende protestieren gegen Präsident Musharraf. -

IslamabadZwei Tage nach der Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad haben in Pakistan landesweit zehntausende Menschen gegen Präsident Pervez Musharraf demonstriert. Die Sicherheitsvorkehrungen im Land wurden drastisch verschärft, nachdem Islamisten blutige Vergeltung für die Militäraktion angekündigt hatten, bei der mindestens 108 Menschen starben. In der unruhigen Nordwesten Pakistans nahm die Polizei drei Männer mit Bombengürteln für Selbstmordanschläge fest und stellte ein Sprengstoffauto sicher.

Allein in Dera Ghazi Khan in der Provinz Punjab protestierten 5000 Menschen, darunter zahlreiche Koranschüler. Auf Spruchbänder stand: "Musharraf ist Amerikas Schoßhund." Proteste gab es auch in der Hauptstadt Islamabad und in Karachi, Lahore und Peshawar. Zu den Kundgebungen hatte der Dachverband von mehr als 10.000 Koranschulen in Pakistan aufgerufen.

"Der Islam wird bald im Land herrschen"

"Die Regierung kann den Ruf nach Einführung der Scharia (islamische Rechtsprechung) im Land nicht mit Brutalität unterdrücken", rief ein Islamgelehrter, Maulana Rehmatullah, den Demonstranten im Punjab zu. "Der Islam wird bald im Land herrschen." Abdul Rashid Ghazi, der Anführer der Islamisten, die sich eine Woche lang in der Roten Moschee verschanzt hatten, war am Donnerstag in einem entlegenen Dorf im Punjab beerdigt worden. Dort versammelten sich erneut Hunderte seiner Anhänger.

Die Armee umstellte unterdessen die Stadt Hangu an der Grenze zu Afghanistan, wo am Vortag bei Anschlägen militanter Islamisten mehrere Sicherheitskräfte getötet worden waren. In Hangu in der Nordwest-Grenzprovinz sollen Mitglieder einer verbotenen Extremistenorganisation aktiv sein. Alle Zufahrtswege zur Stadt seien blockiert. Die Militäraktion wurde auch mit Radio-Auftritten eines radikalen Geistlichen in Verbindung gebracht, der zu Racheaktionen für den Sturm auf die Rote Moschee aufgerufen hatte.

Präsident Musharraf hatte Vortag angekündigt, mit harter Hand gegen militante Islamisten vorzugehen. Der Konflikt mit den radikalen Klerikern der Roten Moschee hatte sich zugespitzt, nachdem Koranschüler als selbst ernannte "Sittenpolizisten" in einer Kampagne gegen "un-islamisches Betragen" mehrere Menschen verschleppt hatten, weil sie angeblich im Rotlichtmilieu gearbeitet hätten. (mit dpa)