Rote Moschee : Musharraf will mit Extremisten verhandeln

Pakistans Machthaber Pervez Musharraf ist offenbar zu Verhandlungen mit den Extremisten bereit, die sich seit rund einer Woche in der so genannten Roten Moschee in Islamabad verschanzt haben.

Musharraf
Gerät zunehmend in Bedrängnis: Pervez Musharraf (rechts). -Foto: AFP

IslamabadIn der seit einer Woche andauernden Krise um die Rote Moschee in Islamabad hat die pakistanische Führung Verhandlungen mit den Extremisten angekündigt, um ein Blutbad zu verhindern. "Es muss alles getan werden, um die von den Militanten Festgehaltenen zu befreien, aber ohne Blutvergießen", sagte Präsident Pervez Musharraf nach Angaben des Senders Aaj bei einem Krisentreffen mit Vertretern der Sicherheitskräfte. Die Extremisten sollen in dem Gebäudekomplex auch hunderte Frauen und Kinder in ihrer Gewalt haben. An dem Krisentreffen nahmen auch Premierminister Shaukat Aziz und der Vorsitzende der regierenden Muslimliga, Chaudhry Hussain, teil.

Der Sender Geo TV berichtete, an dem Gotteshaus seien am Montag erneut heftige Schusswechsel zwischen Sicherheitskräften und den belagerten Koranschülern entbrannt. Am Vorabend hatten sich Anzeichen für eine mögliche Erstürmung gemehrt: Sicherheitskräfte riefen die Extremisten über Megafon ultimativ zur Aufgabe auf. Danach überflogen Drohnen das Areal und machten Luftaufnahmen mit Infrarotkameras.

Erstmals befasst sich am Montag auch der Oberste Gerichtshof mit dem Drama. Das Leben der Geiseln, die möglicherweise als menschliche Schutzschilde benutzt würden, müsse gerettet werden, forderte der Oberste Richter Mohammed Nawaz Abbasi. Der Gerichtshof erörterte auch, ob er der Regierung eine mögliche gewaltsame Beendigung der Krise verbieten solle.

Ghazi soll mit Hausarrest gelockt werden

Die Regierungsunterhändler sollen nun den Rädelsführer und Vizeleiter der Roten Moschee, Abdul Rashid Ghazi, kontaktieren. Zu ihren Vorschlägen soll den Berichten zufolge das Angebot gehören, er könne bei einer Aufgabe mit Hausarrest statt Gefängnis rechnen.

Am Sonntagabend hatten religiöse Führer Musharraf dazu aufgerufen, die Krise friedlich beizulegen. Die Wafaq-ul-Madarasas - ein Verbund zahlreicher Koranschulen in Pakistan - warnte, die Belagerung der Moschee könne zu einem Bürgerkrieg führen. Ein radikaler Prediger mit Tausenden Anhängern, Maulana Sami ul Haq, warnte vor Selbstmordanschlägen, sollten die Militäroperationen gegen die Rote Moschee (Lal Masjid) nicht beendet werden. "Das Lal-Masjid-Thema wird, wenn es nicht sofort gelöst wird, eine unaufhaltsame Serie von Selbstmord- und Bombenanschlägen im Land auslösen."

Im Stammesgebiet von Bajaur an der Grenze zu Afghanistan demonstrierten am Montag 20.000 Anhänger für die Moschee-Besetzer, die Kontakte zu den Taliban und dem Al-Qaida-Netzwerk haben sollen. Viele der Demonstranten, darunter örtliche Taliban-Führer, waren mit Granatwerfern oder Maschinengewehren bewaffnet. Redner warnten die Regierung vor einem Dschihad (Heiliger Krieg), sollte die Belagerung nicht aufgehoben werden. Sie verbrannten auch Bilder von Musharraf. In der Nacht zum Montag wurden in der Stadt Peshawar drei Chinesen von mutmaßlichen Anhängern der Moschee-Besetzer erschossen. Nach Medienberichten begann die Besetzung der Roten Moschee, nachdem Koranschüler mehrere Chinesen entführt hatten, denen sie Prostitution vorwarfen. (mit dpa)