Der Tagesspiegel : Roter Planet

Junge Fotokünstler der Sammlung Arthur de Gany.

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Eine sandige Landschaft. Doch ist das ein Wüstensturm oder ein Strand, über den gerade eine eisigblaue Masse suppt? Paradox schon die Gleichzeitigkeit des Aggregatzustands, der flüssig, gasförmig und – in den scharfkantigen Wölbungen – fest erscheint. Urtümlich und unheimlich. Der Mars als reale Science-Fiction-Region. Nach Experimenten mit stark verpixelten Fotos widmet sich Thomas Ruff seit 2009 hochauflösenden Satellitenbilder der Nasa vom Mars und verwandelt sie in visionäre Simulationen aus dem Blickwinkel künftiger Astronauten beim Landeanflug auf den Roten Planeten.

Um das zu unterstreichen, hat Arthur de Ganay zur Neupräsentation seiner Sammlung kurzerhand eine zusätzliche Wand einbauen lassen. Präsentiert zwei „ma.r.s“-Bilder in jeweils eigenen Kabinetten, tiefschwarz wie das All. Ihre kolossale Wirkung würden Ruffs Fotografien auch ohne zusätzliche Inszenierung entfalten. Doch löst der Sammler damit das Problem der Konkurrenz von überwiegend großen Werken in verhältnismäßig kleinen Räumen. Eine zusätzliche Attraktion in der ehemaligen Marmeladenfabrik sind weitere Neuerwerbungen, mit denen die 2006 begründete Kollektion des Franzosen den Schwerpunkt der Becher-Schule um eine jüngere Generation erweitert, darunter Laurenz Berges, Götz Diergarten und Susanne Schuricht.

Herausragend die 1979 in Berlin geborene Sarah Schönfeld, die mit klassischer Technik eindringliche Momente schafft. Ein Fluss, gesäumt von grünen Sträuchern und kahlen Bergen. Satte Farbschattierungen und schwere Wolkenfelder prägen das falsche Idyll. Menschenleer, durchkreuzt von einem verfallenen Plattenbau in „Kolyma, Jagodnoje“. Entlang des Flusses waren einst sibirische Straflager. Die vermeintlich unberührte Landschaft wird mit den Zivilisationsrelikten zum Mahnmal. Dazu kombiniert de Ganay „Combray (Echanney II)“ von Elger Esser. 2008 fotografierte er den realen Ort im Burgund und verlieh ihm den Charme des fiktiven Combray aus Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Das traditionelle Edeldruckverfahren der Heliogravüre sensibilisiert dank feiner Graustufungen die Wahrnehmung für die fotografierte Zeit. Michaela Nolte

Sammlung de Ganay, Köpenicker Str. 10A. Eröffnung: 15.9., ab 18 Uhr. Danach jeden ersten Samstag im Monat; Anmeldung unter: info@collectionarthurdeganay.com.

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