Rudolf B. : Deutsche Ex-Geisel gibt afghanischer Polizei die Schuld

Nach fast dreimonatiger Geiselhaft in Afghanistan ist der Bauingenieur Rudolf Blechschmidt wohlbehalten nach Deutschland zurückgekehrt. Vor der Heimkehr erhob der Bauingenieur schwere Anschuldigungen gegen die afghanische Polizei.

Frankfurt/Main/BerlinDer 62-jährige Rudolf Blechschmidt landete am Abend an Bord einer Linienmaschine aus Dubai auf dem Flughafen Frankfurt am Main. Das Auswärtige Amt machte keine näheren Angaben zu den Umständen der Heimreise. Es hatte bereits zuvor mitgeteilt, dass der Ingenieur von Sicherheitsbeamten abgeschirmt würde.

Vor der Heimkehr erhob der Bauingenieur schwere Anschuldigungen gegen die afghanischen Behörden. Afghanische Polizisten hätten ihn Mitte Juli beim Besuch eines Staudamms begleitet, dabei aber die eintreffenden Taliban erwartet und diese begrüßt, sagte Blechschmidt nach Angaben des Radiosenders Antenne Bayern in einem Telefonat. "Das war eine abgesprochene Sache."

Blechschmidt und fünf afghanische Geiseln waren am Mittwoch von ihren Entführern freigelassen worden. Die Nacht verbrachte der Ingenieur aus Bayern in der deutschen Botschaft in Kabul.

Hunderte Kilometer Fußmarsch

Die Umstände seiner Geiselhaft beschrieb der 62-Jährige aus Ottobrunn bei München in einem Telefonat mit der Familie, das von Antenne Bayern mitgeschnitten wurde, als sehr schlecht. Die Gruppe sei hunderte Kilometer gelaufen. Dabei hätten die Gefangenen Waffen und Ausrüstung der Taliban tragen müssen. Er selbst habe dabei nur Sommerkleider gehabt, weil die andere Kleidung nach einer vor rund zwei Wochen gescheiterten Übergabe in einem Auto des Roten Kreuzes geblieben sei.

Zur Ermordung seines 44-jährigen deutschen Kollegen sagte er, der Ingenieur sei von den Taliban erschossen worden, weil er das Marschtempo nicht mehr habe mithalten können. "Die Taliban sagen, es sei ein Versehen gewesen", sagte er, "aber es sah nicht so aus." Das Gespräch Blechschmidts mit seiner Familie wurde nach Angaben des Senders am Montag im Einverständnis mit den Angehörigen bei Antenne Bayern aufgezeichnet. Es sei zunächst nicht veröffentlicht worden, um die sich andeutende Freilassung nicht zu gefährden.

Bei den Entführern soll es sich um eine örtliche Taliban-Gruppe mit kriminellem Hintergrund handeln, die nur lose Verbindungen zu den straff organisierten radikalislamischen Extremisten unterhält und nicht unter der Befehlsgewalt des Taliban-Führungsrates steht. (mit dpa)