Der Tagesspiegel : Rückkehr-Hilfe für den Lachs

Seit Jahren bemühen sich Fachleute um die Wiederansiedlung des Fisches in der Elbe und ihren Nebenflüssen. Sie haben Erfolg

Matthias Matern

Perleberg – So ein Ereignis war vor hundert Jahren nahezu alltäglich – heute ist es ein besonderer Grund zur Freude: Aus der Stepenitz in Perleberg holten Fischer des Landesanglerverbandes in dieser Woche einen 94 Zentimeter langen Lachs. Nach ihrer langen Reise zu den Nahrungsgründen in den kalten Gewässern des Nordatlantiks kommen die schmackhaften Lachse jetzt zum Laichen wieder zu ihren Geburtsstätten zurück. Knapp sechs Kilogramm schwer war das Prachtexemplar und damit der größte Fisch, der seit Start des Wiederansiedlungsprojektes „Elblachs 2000“ in märkischen Gewässern gesichtet wurde.

Für die an dem Projekt beteiligten Institutionen, das Brandenburger Umweltministerium, den Landesanglerverband und das Institut für Binnenfischerei, ist die fette Beute ein weiteres Erfolgszeichen. Bislang wurden im Land insgesamt 75 Lachse und 66 Meerforellen registriert, die nach ihren Wanderungen wieder in ihre Kinderstuben heimgekehrt sind. Wie der Atlantische Lachs, war auch die Meerforelle, oder Lachsforelle, früher ein häufig anzutreffender Speisefisch in Brandenburg. Seit rund 50 Jahren gelten beide Arten hierzulande als ausgestorben.

Außer in der Prignitz läuft für die Meerforelle parallel ein Wiederansiedlungsprojekt in der Uecker in Mecklenburg-Vorpommern. Auch dort seien bereits erste Rückkehrer gezählt worden, sagt Steffen Zahn vom Institut für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow. „Bis nach Brandenburg allerdings ist die Meerforelle dort noch nicht gelangt.“ Zwei Wehre beim nördlichen Nachbarn versperren bislang den Weg in den Süden.

In der Prignitz indes ist das Elblachs-Projekt wie auch im benachbarten Sachsen bereits auf sehr gutem Wege. 430 000 Lachs- und 280 000 Meerforellen-Brütlinge sowie 88 600 Junglachse wurden seit April 1999 im märkischen Nebenfluss der Elbe ausgesetzt. Mit dem Projekt verfolgt der federführende Landesanglerverband Brandenburg vor allem zwei Ziele. „Wir wollen, dass sich die Bestände langfristig wieder selbst erhalten und später für die Fischerei genutzt werden können“, erklärt Verbandsmitarbeiter Ulrich Thiel. Zum anderen solle beispielhaft ein Flusssystem geschaffen werde, in dem Fische ungehindert wandern können. „Die meisten Wehre haben wir bereits beseitigt und andere Hindernisse überbrückt“, sagt Thiel. Das Hauptziel jedoch sei noch ein gutes Stück entfernt. „Dazu ist weiterer Besatz mit Jungfischen und Brütlingen notwendig.“ Auf ihren langen Wanderungen seien die Fische naturgemäß vielen Gefahren ausgesetzt.

Das kapitale Tier, das den Fischern jetzt in der Prignitz ins Netz gegangen ist, hätte ihren Kollegen noch vor hundert Jahren wohl kaum eine übermäßige Gemütsregung entlockt. „Ungewöhnlich groß war dieser Fisch historisch gesehen eigentlich nicht“, sagt Ulrich Thiel. Schließlich sei belegt, dass früher in Brandenburg sogar Lachse mit einer Größe bis zu 1,40 Metern gefangen wurden.

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