Rücktritt : Chinas Finanzminister nach Sexskandal entlassen

Der chinesische Finanzminister Jin Renqing hat offenbar wegen eines Sexskandals seinen Posten geräumt. Dem 63-Jährigen wird außerdem Missmanagement bei Staatsanleihen angelastet.

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China: Finanzminister Jin Renqing muss seinen Stuhl räumen. -Foto: dpa

PekingRund sechs Wochen vor dem alle fünf Jahre tagenden Parteikongress der chinesischen Kommunisten ist Finanzminister Jin Renqing entlassen worden. Nach vier Jahren im Amt sei der 63-Jährige zum stellvertretenden Leiter eines staatlichen Studienzentrum ernannt worden, teilte ein Regierungssprecher mit. Für die Entlassung Jins gab er "persönliche Gründe" an. Näher wollte er sich aber ausdrücklich nicht äußern. Zu seinem Nachfolger wurde nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua der bisherige Chef der Steuerbehörde, Xie Xuren, ernannt. Der 59-Jährige hatte in den 90er Jahren schon einmal das Amt des Vize-Finanzministers inne. Der Staatsrat wollte seine Ernennung aber bislang nicht bestätigen.

Jins neuer Posten entspricht im chinesischen Politsystem dem Amt eines Vize-Ministers. Die gewöhnlich gut informierte Hongkonger Zeitung "Ming Pao" berichtete, die Degradierung des Finanzministers hänge möglicherweise mit einem Sexskandal zusammen, in den noch zwei weitere ranghohe KP- und Wirtschaftsfunktionäre verwickelt seien. Jins unzureichendes Management der Staatsanleihen sowie der Unmut über eine massive Erhöhung der Gebühren für Börsengeschäfte dürften die Entscheidung laut dem Blatt beschleunigt haben.

Mit der Entlassung des Finanzministers setzen Präsident Hu Jintao und Ministerpräsident Wen Jiabao offenbar ihre politische Säuberungskampagne kurz vor dem KP-Kongress am 15. Oktober fort. Der Kongress soll die Mandate Hus und Wens um weitere fünf Jahre verlängern. (mit AFP, dpa)