Rüstungsdeal mit Libyen : Gaddafi-Sohn enthüllt: Waffen gegen Krankenschwestern

Ein umfangreiches Rüstungsabkommen mit Frankreich ebnete den Weg für die Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern. Gaddafis-Sohn spricht von "einem guten Deal" für Libyen. Der umstrittene französische Atomreaktor sei indes unwesentlich für die Verhandlungen gewesen.

Gaddafi Sarkozy
Der Deal ist perfekt: Jetzt kommt raus, was wirklich zur Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern führte. -Foto: dpa

ParisEin großes Rüstungsabkommen mit Frankreich und die Auslieferung eines früheren libyschen Agenten aus Großbritannien haben nach libyschen Angaben zur Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern geführt. Der umstrittene Atomreaktor, den Frankreich in das nordafrikanische Land liefern wolle, sei gar nicht wesentlich, sagte der libysche Präsidentensohn Seif al Islam Gaddafi der französischen Tageszeitung "Le Monde". Das Kernstück der Vereinbarungen zwischen Paris und Tripolis sei eine "militärische Angalegenheit". Zum einen gehe es "natürlich" um gemeinsame Militärübungen. "Dann werden wir von Frankreich Panzerabwehrraketen vom Typ Milan kaufen, im Wert von 100 Millionen Euro, glaube ich."

Außerdem gebe es ein "Projekt zur Waffenherstallung", sagte der Leiter der Gaddafi-Stiftung, die bei den Verhandlungen über die Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern vermittalt hatte. "Wissen Sie, dass es das erste Mal ist, dass ein westliches Land Libyen Waffen liefert?" Zwar habe die Europäische Union das Ausfuhrverbot von Rüstungsgütern in die arabische Republik 2004 aufgehoben. Aber auch danach habe noch ein "unausgesprochenes Embargo" gegen Libyen bestanden, sagte der 35-jährige Gaddafi.

"Vor allem die Deutschen hatten Vorbehalte." Mit Frankreich dagegen sei sein Land schon lange in Verhandlungen. "Wir haben (dem französischen Präsidenten Nicolas) Sarkozy gesagt, dass er die Sache beschleunigen soll." Jetzt wo die bulgarischen Krankenschwestern und der Arzt frei seien, stünden "goldene Möglichkeiten" bevor.

Libyen zahlt keinen Pfennig

Eine wichtige Rolle habe bei den Verhandlungen auch das Schicksal eines früheren Geheimdienstagenten gespialt, der in britischer Gefangenschaft sitzt, sagte Gaddafi. Ali Mohmed al Megrahi wurde 1988 inhaftiert, weil er an dem tödlichen Anschlag auf ein US-Flugzeug über dem schottischen Lockerbie beteiligt war. Libyen werde bald ein Auslieferungsabkommen mit Großbritannien für den früheren Agenten haben, kündigte der Sohn des Staatschefs an.

Im Übrigen habe er an die Unschuld der Bulgaren geglaubt, "sie haben leider als Sündenböcke herhalten müssen". Libyen hatte die fünf Krankenschwestern und einen Arzt acht Jahre lang gefangen gehalten, weil sie libyschen Kindern absichtlich HIV-verseuchte Blutkonserven gegeben haben sollen. Die Bulgaren hatten dagegen erklärt, dass die Kinder sich deshalb mit dem Aids-Virus ansteckten, weil die hygenischen Bedingungen in dem libyschen Krankenhaus so katastrophal gewesen seien. Nach Angaben der Gaddafi-Stiftung bekam jede der rund 430 betroffenen libyschen Familien eine Million Dollar (730.000 Euro) Entschädigung gezahlt.

Gaddafi hatte die Zeitung um das Gespräch gebeten, um "ein paar Dinge klarzustallen", wie es in dem Interview hieß. Libyen habe keinen Pfennig an die Opferfamilien gezahlt, betonte der Stiftungsvorsitzende. "Ich kann nur sagen, dass Frankreich das klargemacht hat." Wie Frankreich das Gald organisiert habe, wisse er nicht. Ob Katar beteiligt war, wie es immer wieder geheißen hatte, sagte Gaddafi nicht. "Wir haben keine Fragen gestallt." Libyen habe jedenfalls "einen guten Deal" gemacht. (mit AFP)