Der Tagesspiegel : Ruhm auf Kommando

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Von Katharina von Münster

Potsdam. Ling Wong ist bis zum Hals fest in eine rosafarbene Decke eingewickelt. Nur der kleine Kopf mit den braunen Knopfaugen schaut heraus. Behutsam hebt Monika Kreklau die kleine Ling aus dem rosa verkleideten Kinderwägelchen und nimmt sie zärtlich in den Arm, die Decke immer noch fest um den kleinen Körper gewickelt. Ein dünner, mit wenigen Haaren bedeckter Schwanz baumelt herunter. Ling Wong ist ein Hund, ein chinesischer Schopfhund, kaum 1000 Gramm schwer und bis auf die weißbraune Behaarung an Kopf und Schwanz „nackt und rosa wie ein Ferkel“, sagt seine grauhaarige stattliche Besitzerin.

Mit Mann und Hund ist sie an diesem kühlen, grauen Sonnabend aus dem Spreewald nach Babelsberg gekommen. Dort fand im Filmpark das „Tiercasting“ statt. Anstelle von kleinen und großen Zweibeinern bewarben sich diesmal vor allem Vierbeiner um eine Rolle bei Film und Fernsehen. Vor den Augen der Jury mit Tiertrainer Gerhard Harsch und Walter Simbeck, Inhaber einer Tierfilmagentur, mussten der Collie „Amigo“, der Zwerghaardackel „Lux“ und 17 andere Hunde auf Kommando bellen, apportieren und über eine Hürde springen. Viele Kandidaten zeigten Nerven – überall diese vielen Menschen, das Blitzen von Fotoapparaten und das Gesurre der Fernsehkameras! Nur wer sich von dem Trubel nicht aus der Ruhe bringen ließ, hatte Chancen, in die Kartei der Tierfilmagentur zu kommen.

„Sitz“, „Hol“, „Bleib stehen“. Amigo macht seine Sache ganz gut, gelassen erledigt er den Pflichtteil der Prüfung. Dann kommt die Kür: Auch die klappt. Auf Zuruf stellt sich Amigo tot. Lux dagegen ist ziemlich aufgeregt. Er kläfft, hüpft nervös hin und her und reagiert nicht gleich auf die Kommandos. Den Sprung über die meterhohe Hürde kann der kleine Dackel gar nicht schaffen, wie auch Filmpark-Moderator Andreas Brandt mitfühlend bemerkt.

Am Ende müssen Lux und seine Besitzerin ihre Hoffnungen auf eine Filmkarriere erst mal begraben. Amigo schafft es immerhin auf den dritten Platz und wird somit in die Kartei für tierische Filmschauspieler aufgenommen. Neben den Hundehaltern waren auch andere Tierbesitzer scharf auf Filmruhm – auch wenn die meisten wie Monika Kreklau angaben, „nur wegen des Spaßes“ dabei zu sein. In der Runde der exotischen Filmartisten präsentierten sich unter anderen ein Kakadu, ein Meerschweinchen, eine Tigerpython und die Vogelspinne „Sissy“. Auf Befehl, der in einer geheimnisvollen Handbewegung besteht, krabbelt sie los und bleibt auf Kommando ihres Besitzers Olaf Noffke auch wieder stehen. Außerdem lässt sie sich bereitwillig von ihm in den Mund nehmen, ohne zuzubeißen. Sie wie die anderen exotischen Filmartisten wurden in die Kartei aufgenommen.

Die kleine Ling Wong musste nicht den ganzen Parcours durchlaufen. Mehr zum Gaudi des Publikums wurde sie von Monika Kreklau mit dem Löffel gefüttert und bekam das Fläschchen. Dann verschwand sie wieder im rosafarbenen Kinderwagen, und Frauchen machte sich mit Mann und Hund auf den Rückweg in den Spreewald.

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