Der Tagesspiegel : Russen wollen Flugplatz Strausberg übernehmen

Mit dem Erlös von 4,6 Millionen Euro soll der Fuhrpark der Straßenbahn erneuert werden

Rainer W. During

Strausberg - Die Russen kommen: Investoren aus dem Moskauer Raum sollen den Flugplatz Strausberg (Landkreis Märkisch-Oderland) für 4,6 Millionen Euro übernehmen und weiter ausbauen. Kritiker werfen der Stadt vor, den Flugplatz zum Schleuderpreis zu verhökern.

Zu Mauerzeiten diente der Flugplatz dem in Strausberg angesiegelten DDR- Verteidigungsministeriums. Nach der Vereinigung wurde er mit großem Aufwand modernisiert. Dazu entstand ein Gewerbegebiet, in dem unter anderem der erfolgreiche Flugzeughersteller Stemme ansässig ist. Mit einer Startbahnlänge von 1200 Metern ist der Verkehrslandeplatz bisher nur für Sportflugzeuge und kleinere Geschäftsreisemaschinen geeignet. Mit knapp 40 000 Starts und Landungen im vergangenen Jahr liegt Strausberg dennoch nur knapp hinter dem größten Verkehrslandeplatz der neuen Bundesländer in Schönhagen bei Trebbin südlich Berlins. Gegenwärtig läuft das Planfeststellungsverfahren für eine Verlängerung der Bahn auf 1650 Meter, mit einem Beschluss wird im Herbst gerechnet.

Dennoch rechnet man in Strausberg nicht damit, von der geplanten Schließung des Berliner Flughafens Tempelhof zu profitieren. Allenfalls ein paar kleinere Flugzeuge könnten ihren Standort dorthin verlegen, schätzt der Geschäftsführer des Flugplatzes, Andreas Gagel. Er ist zugleich Chef der Strausberger Stadtwerke, denen der Verkehrslandeplatz gehört. Mit dem Verkaufserlös soll die notwendige Erneuerung des Fuhrparks der örtlichen Straßenbahn finanziert werden. Im Sommer 2007 genehmigten die Stadtverordneten deshalb den Verkauf.

Den geeigneten Käufer glaubt man in der Schloß Wilkendorf Verwaltungs- GmbH gefunden zu haben. Die im Berliner Bezirk Mitte ansässige Firma will das denkmalgeschützte Schloss sanieren und zu einem Hotel umbauen – und dann auch den nahen Flugplatz betreiben. Als Geschäftsführer werden im Handelsregister drei Russen aus der Stadt Vidnoe im Moskauer Gebiet sowie die in Berlin ansässige Natalie Gräfin von Luxburg geführt. Sie trat auch als Vertreterin der Deutschen Wirtschaftsakademie GmbH auf, die unter gleicher Anschrift residiert und laut eigener Website Seminare für Existenzgründer und Integrationskurse für Spätaussiedler und Migranten anbietet.

Bei der Firma will man sich nicht äußern, sondern verweist an die Stadtwerke. Laut Gagel hat sich die Gesellschaft in einer Absichtserklärung verpflichtet, in diesem Jahr in zwei Raten zunächst circa 1,2 und dann 1,1 Millionen Euro zu zahlen und dafür erst 26 und dann 49 Prozent der Flugplatzanteile zu übernehmen. Eine Option sieht dann für 2009 eine letzte Rate von rund 2,3 Millionen Euro und die komplette Übernahme vor. Außerdem sollen die Käufer den auf mindestens zwei Millionen Euro veranschlagten Ausbau finanzieren.

Heftige Kritik an den Plänen kommt von Hans-Joachim Adomatis und Patrick Villiers, deren Firma Vintage Aircraft auf dem Platz zwei Flugzeug-Hangars betreibt. Sie werfen den Stadtwerken einen Verkauf unter Wert vor. Tatsächlich betrage das Anlagevermögen rund zwölf Millionen Euro. Gagel weist diese Vorwürfe zurück. Er spricht von neun Millionen, von denen aber nur die Hälfte auf den jetzt zum Verkauf stehenden Teil entfalle.

Dem Deal steht allerdings noch eine von Adomatis und Villiers gerichtlich erwirkte Grundbuchsperre entgegen. Hintergrund ist ein Streit um den Bau einer Zufahrtsstraße zu den Hangars von Vintage Aircraft. Dem Vernehmen soll diese Straße aber demnächst gebaut werden.

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