Russische Justiz : Mithäftling gesteht Falschaussage gegen Chodorkowski

Mit einer falschen Beschuldigung verhinderte ein Mithäftling Michail Chodorkowskis Haftentlassung wegen guter Führung. Nun gesteht der Mann seine Lüge und berichtet von weiteren Schikanen gegen den Ölmagnaten.

Michail Chodorkowski
Seit Jahren in Haft: Michail Chodorkowski, 2005. -Foto: dpa

MoskauEin Mithäftling des seit Jahren inhaftierten russischen Ölmagnaten Michail Chodorkowski hat eingeräumt, mit einer Falschaussage dessen vorzeitige Haftentlassung verhindert zu haben. Im vergangenen Oktober habe er schriftlich bezeugt, dass Chodorkowski bei einem gemeinsamen Hofgang mit ihm nicht wie vorgeschrieben die Hände auf dem Rücken verschränkt habe, berichtete Igor Gnesdilow in der am Montag erschienenen Wochenzeitung "Wlast".

"Ehrlich gesagt, kann ich mich überhaupt nicht daran erinnern, wo wir an diesem Tag unsere Hände hatten - aber ich weiß genau, dass es deswegen keinerlei Beschwerde gab", versicherte Gnesdilow, der von Februar 2007 bis Januar 2008 die Zelle mit Chodorkowski im sibirischen Tschita teilte.
  
Er habe dies nur behauptet, um seine eigene frühzeitige Haftentlassung nicht zu gefährden, berichtete Gnesdilow weiter, der wegen wiederholten Autodiebstahls eingesessen hatte. Nach seinen Angaben wollte er unbedingt freikommen, um seiner mit einer Mitinsassin gezeugten Tochter das Waisenhaus zu ersparen. Tatsächlich kam er drei Monate nach seiner Falschaussage frei, Chodorkowski dagegen wurde im Dezember eine vorzeitige  Haftentlassung wegen guter Führung verweigert.
  
Chodorkowski ist Opfer von Schikanen 
  
Gnesdilow berichtete der Zeitung ausführlich über seine Zeit mit dem früheren Milliardär. Demnach hatte dieser immer wieder unter kleinlichen Schikanen der Gefängnisverwaltung zu leiden, während Mithäftlinge und Wachen ihn mit Respekt behandelten.
  
Chodorkowski war im Jahr 2003 wegen Steuerhinterziehung zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Sein Yukos-Konzern wurde nach einem Streit um Steuerzahlungen 2005 faktisch zerschlagen und 2006 einem Konkursverwalter unterstellt. Beobachter vermuten hinter Chodorkowskis Verurteilung politische Beweggründe. Seine Anwälte wollen ihn nun dazu bewegen, unter dem neuen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew erneut einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung zu stellen. (mpr/AFP)