Russland : Zehn Festnahmen im Mordfall Politkowskaja

Vor einem Jahr war die regierungskritische Journalistin Anna Politkowskaja in Moskau ermordet worden. Jetzt meldet die russische Justiz einen Fahndungserfolg.

Moskau"Wir sind deutlich vorangekommen mit unserer Untersuchung zum Mord an der Journalistin Politkowskaja", sagte Generalstaatsanwalt Juri Tschaika bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin. Nähere Angaben zur Herkunft und zu einem möglichen Motiv der Verdächtigen machte er nicht. Politkowskaja hatte über Korruption in Russland sowie über Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien berichtet.

Die zehn Verdächtigen sollten in "sehr naher Zukunft" wegen des Verbrechens angeklagt werden, sagte Tschaika weiter. Putin hatte im vergangenen Dezember über Fortschritte in den Ermittlungen berichtet. "Die besten Experten für Strafverfolgung in Russland ermitteln in diesem Verbrechen", sagte er damals. Im Mai hatte Politkowskajas früherer Herausgeber, Dmitri Muratow, erklärt, er sei "zunehmend besorgt", dass die Untersuchungen von politischen Motiven getrieben seien. Die Wochenzeitung "Nowaja Gaseta", für die Politkowskaja arbeitete, stellt eigene Ermittlungen zu dem Mordfall an.

Eine der letzten unabhängigen Journalisten

Politkowskaja, die in mehreren Büchern den russischen Präsidenten offen kritisiert hatte, war am 7. Oktober 2006 in ihrem Haus in Moskau erschossen worden. Frühere Kollegen vermuteten, dass der Mord an der Journalistin im Zusammenhang mit ihren Recherchen über Folter der russischen Behörden und ihrer verbündeten Milizen in der Kaukasusrepublik Tschetschenien stand. Sie war eine der letzten unabhängigen russischen Journalisten, die noch über den Tschetschenien-Konflikt berichteten. Mit ihrer Berichterstattung hatte sie sich weltweit einen Namen gemacht.

Der Mord an Politkowskaja hatte internationale Aufmerksamkeit auf die gefährliche Situation für Journalisten in Russland gelenkt. Nach Angaben des internationalen Journalistenverbandes wurden in Russland seit 1993 mehr als 80 Journalisten ermordet. Andere Quellen sprechen von mehr als 40 Todesopfern. (mit AFP)