Der Tagesspiegel : Sabine H. schweigt – und sorgt sich um ihre Kinder

In der Untersuchungshaft muss die mutmaßliche Kindstöterin erfahren, dass ihr Lebensgefährte persönliche Briefe an die Presse gibt

Tanja Buntrock

Duben - Sie zieht sich weitgehend zurück in ihre spartanisch eingerichtete zwölf Quadratmeter große Einzelzelle in der Haftanstalt Duben. Sabine H., die im Verdacht steht, neun ihrer neugeborenen Kinder umgebracht zu haben, hat bisher lediglich einmal am Freigang im Hof teilgenommen, sagt ihr Anwalt Matthias Schöneburg. Sie habe Angst vor den Reaktionen der Mithäftlinge. Doch Sabine H. sei „freundlich behandelt“ worden. Dennoch sei sie „natürlich angesprochen worden“ auf ihre Tat. „Sie möchte aber momentan nicht mit Leuten reden, die ihr nicht helfen können“, sagt der Anwalt.

Dagegen habe es ihr gut getan, über den Fall mit den Staatsanwälten und ihrem Anwalt zu sprechen. „Sie hatte ja viele Jahre niemanden, mit dem sie darüber reden konnte“, sagt Schöneburg. Vernommen wird sie erst einmal nicht mehr. Der Verteidiger wartet zunächst darauf, Akteneinsicht zu bekommen. Sorgen macht Sabine H. vor allem die Frage, wer sich künftig um ihre jüngste Tochter Elisabeth kümmert. „Momentan ist das anderthalbjährige Mädchen noch in der Obhut der Großmutter“, sagt der Anwalt. Doch das Jugendamt sei eingeschaltet und werde prüfen, wer die Vormundschaft für das Kind bekommt. Geht es nach dem Wunsch der Mutter, soll es ihr gegenwärtiger Lebensgefährte Bernd B. sein. Dieser ist zwar nicht der leibliche Vater, hat aber die Vaterschaft anerkannt.

Die Hoffnung Sabine H.’s auf ein gemeinsames Kind mit ihrem Lebensgefährten hat sich in der Haftanstalt zerschlagen. „Sie hatte vor der Verhaftung gedacht, sie sei von ihm schwanger“, sagt Schöneburg. Doch gynäkologische Untersuchungen zeigten, dass dies nicht der Fall ist. Und zumindest in der Untersuchungshaft wird der Kinderwunsch nicht in Erfüllung gehen.Denn der Kontakt zu Besuchern ist nur eingeschränkt möglich: „Es ist immer ein Aufpasser dabei“, schildert Schöneburg.

Momentan aber ist seine Mandantin ohnehin „verärgert und entsetzt“ darüber, dass ihr Partner offenbar Fotos und persönliche Briefe aus der Haft an Boulevardzeitungen weitergegeben hat. „Ich halte dies für nicht hilfreich und habe auch mit ihr darüber gesprochen“, sagt der Anwalt. Sie wollen nun zunächst keine Briefe mehr schreiben.

Die anderen drei Kinder der Frau – 21, 19, 18 Jahre alt – leben zum Teil bei ihrem Vater, zum Teil in eigenen Wohnungen. Sabine H. fürchtet, dass auch sie nun zu „Medienopfer“ würden. „Sie müssen ja sowieso schon Spießruten laufen“, habe sie ihrem Anwalt gesagt. Ihr sei es nun wichtig, dass der Verteidiger einen Kontakt zu den Kindern herstellt, „um zu klären, ob von deren Seite Interesse besteht, die Mutter zu sehen“.

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