Sachsentour-Chef Friedemann : „Unsere Fahrer sind sauber“

Sachsentour lässt Skandalteam Astana mitradeln

Herr Friedemann, am Mittwoch hat die Sachsentour begonnen. Haben Sie aufgrund des Dopingskandals bei der Tour de France über einen Abbruch Ihrer Rundfahrt nachgedacht?

Nein. Was irgendwo in Frankreich geschieht, hat nichts mit Sachsen zu tun. Bei uns sind doch ganz andere Fahrer am Start, von denen niemand auf der Fuentes-Liste stand – das haben wir überprüft.

Haben Sie dennoch die Dopingkontrollen verschärft?

Als Veranstalter kann ich nicht auf eigene Faust beschließen, die Tests auszuweiten. Die Rundfahrt unterliegt dem Regelwerk des Bundes der Deutschen Radfahrer und in oberster Instanz dem Radsport-Weltverband. Außerdem haben wir auch nicht die notwendige Ausrüstung, um noch mehr zu testen.

Erhalten Sie keinerlei Unterstützung?

Die Zeiten, in denen das Innenministerium die Kosten für Kontrollen übernommen hat, sind vorbei. Heutzutage kostet ein Test 260 Euro, das macht insgesamt über 6000 Euro, die wir aus der eigenen Tasche an die Labore bezahlen müssen.

Können somit Dopingfälle bei der Sachsentour verhindert werden?

Ach, unser Streckenprofil ist sanft, es gibt gar keine Berge wie Alpe d’Huez – da kommt man noch mit Wasser und Brot ins Ziel.

Der Generalverdacht fährt trotzdem mit.

Dass der Radsport so in Misskredit geraten ist, macht mich sehr traurig. Gerade deshalb sind wir so bemüht, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Wir Sachsen wollen ein kleines Vorbild sein.

Befürchten Sie fehlende Zuschauer am Straßenrad?

Wir gehen vom Gegenteil aus. Bei der Tour de France wurden die Fahrer ausgepfiffen, bei uns werden sie bejubelt – und zwar, weil sie sauber sind.

Woher wissen Sie das? Bei Ihnen fährt doch sogar das wegen Dopingverdachts bei der Tour de France suspendierte Astana-Team mit.

Wir haben vergangenes Jahr einen Vertrag mit Astana abgeschlossen. Wir können dem Team nichts nachweisen, haben keine rechtliche Handhabe. Und von den in Frankreich überführten Fahrern ist ja keiner dabei. Bei uns fahren junge Leute, die sind um die 20 und haben noch genug eigene Hormone. Wissen Sie, ich habe schon immer angezweifelt, dass die Alten noch zu solchen Leistungen fähig sind.

Das Gespräch führte Paul Linke.

Wolfgang Friedemann, 63, ist Direktor der Sachsentour, die derzeit zum 22. Mal ausgetragen wird. Noch bis zum 29. Juli nehmen 128 Fahrer an der Schleife rund um Dresden teil.