Der Tagesspiegel : Sacrow: Keine neuen Pläne in Sicht: Schloss bleibt dicht

Helmut Caspar

Vor vierzig Jahren senkte sich über das Schloss Sacrow beängstigende Stille, Einzug hielten die Grenzsoldaten der DDR und ihre Wachhunde. Stacheldraht wurde unmittelbar nach dem Bau der Mauer am 13. August 1961 ausgerollt, Peitschenlampen aufgerichtet, Betonbarrieren zum Wasser aufgetürmt. Heute zeigt sich die wasserumspülte Idylle zwischen Potsdam und dem Berliner Bezirk Spandau von ihrer schönsten Seite. Doch während die von Ludwig Persius nach Plänen König Friedrich Wilhelms IV. erbaute und nach den schlimmen Verwüstungen durch schießwütige Grenzer wiederhergestellte Heilandskirche rege besucht wird, ist das aus dem 18. Jahrhundert stammende, im 19. Jahrhundert durch Ludwig Persius umgebaute Schloss, in DDR-Zeiten Schule der DDR-Zollverwaltung, verschlossen.

In dem von Peter Joseph Lenné gestalteten und nach 1990 wiederhergestellten Landschaftspark liegend, schien dem Barockbau eine erfreuliche Zukunft sicher, nachdem er an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gefallen war. Große Pläne hatte die Stiftung. In ländlichem Ambiente wollte sie Stücke aus der Sammlung der Fürsten zu Dohna-Schlobitten zeigen - Gemälde, Porzellan, kostbare Möbel. Da die ostpreußische Adelsfamilie mit dem Königshaus befreundet war, hätte die Ausstellung auch jener Hohenzollern gedacht, die die Potsdamer Kulturlandschaft geprägt haben, heißt es bei der Stiftung. Doch da Sacrow ziemlich abgelegen ist, sei man von der Museumsidee wieder abgerückt und hoffe, die schon vor längerer Zeit erworbene Sammlung im Schloss Schönhausen, das bis 1691 den Dohnas gehörte und im Berliner Bezirk Pankow liegt, zeigen zu können. Das aber würde bedeuten, die spätere Residenz der Gemahlin Friedrichs des Großen, Elisabeth Christine, der Preußischen Schlösserstiftung einzugliedern. Für Sacrow wäre dann eine "andere Nutzung" zu überlegen, es müsste nicht unbedingt eine museale sein, so Schlösserchef Burkhardt Göres.

Das Schloss war 1773 für den Kommandeur der Festung Spandau, Graf Johann Ludwig von Hordt, erbaut worden. Friedrich Wilhelm IV. kaufte 1840 das Gut für 60 000 Taler mit dem Ziel, es für die Umgestaltung der Potsdamer Havellandschaft in einen großen Garten zu nutzen. Doch des Königs Pläne zur Errichtung prächtiger "römischer Bauten" in Sacrow blieben unausgeführt, und auch das Schloss blieb stehen. Die Heilandskirche mit freistehendem Campanile zeugt von der Italiensehnsucht des baufreudigen Herrschers, der mit seinem Hofstaat das Gotteshaus in den Sommermonaten regelmäßig besuchte. Als das zwischendurch als Pfarrhaus genutzte Schloss im Jahr 1938 für den preußischen Generalforstmeister umgebaut wurde, veränderte man die innere Struktur und gab den Räumen einen "neutralen" Anstrich.

Der Glockenturm neben der Heilandskirche hat eine besondere Geschichte, auf die auch eine Gedenktafel hinweist. Im Sommer 1897 bauten die Physiker Adolf Slaby und Georg Graf von Arco eine Antenne ein und schickten von dem 24 Meter hohen Campanile Funksignale zur kaiserlichen Matrosenstation auf der anderen Seite des Jungfernsees. Die Versuche zur drahtlosen Telegrafie waren wichtig für den militärischen und zivilen Funkverkehr und bereiteten den Siegeszug des Rundfunks vor. Das wäre doch ein Thema, das man auch im Herrenhaus publikumswirksam darstellen könnte.

Eine prägnante Zusammenstellung der von italienischen Vorbildern beeinflussten architektonischen Baudenkmäler in Potsdam findet sich in der soeben von der brandenburgischen Gesellschaft der Freunde Italiens "Il Ponte" herausgegebenen Broschüre "Italien in Potsdam" aus der Feder von Andreas Kitschke.

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