Der Tagesspiegel : Sammeln für die Elefantenbraut

Auf dem Dickhäuter-Hof in Platschow ist die Zuchtkuh Balumba gestorben. Jetzt bittet die Gemeinde um Geld und will eine Elefantendame aus der Schweiz kaufen

Claus-Dieter Steyer

Platschow . Sie war die agilste und intelligenteste in der ganzen Gruppe: die 16-jährige Elefantendame Balumba. Vor zwei Wochen ist sie gestorben, wenige Tage nach der Rückkehr von einem Zirkusfestival in den Niederlanden. Die Mitarbeiter auf Europas einziger Elefantenzuchtanlage in Platschow bei Parchim sind noch immer traurig. Denn seit dem Tod der Elefantenkuh hat sich auf dem fünf Hektar großen Hof an der nordwestlichen Landesgrenze zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern viel verändert. Der Bulle Sahib dreht einsam seine Runden, und auch die drei anderen Elefantenkühe vermissen ihre Freundin. Dabei hatte Eigentümer Sonni Frank große Dinge mit Balumba und Sahib vor. „Wir wollten hier eine Zucht aufbauen, damit die Kinder auch noch in 20 Jahren Elefanten im Zirkus bewundern können“, sagt der 44-jährige Dompteur.

Seit dem Washingtoner Artenschutzabkommen von 1989 dürfen keine Elefanten mehr aus Afrika und Asien in andere Erdteile importiert werden. Die etwa 230 noch in Europa lebenden Zirkus-Dickhäuter sterben also irgendwann aus.

Sonni Frank, dessen Familie sich seit vier Generationen mit Elefanten beschäftigt, wollte diese Entwicklung aufhalten und eröffnete vor anderthalb Jahren seinen Elefantenhof. „Die Kuh Balumba ist kaum zu ersetzen“, sagt Frank. „Sie riss die anderen mit und brachte gute Stimmung auf den Hof.“ Auch die zahlreichen Besucher der Anlage und das Publikum im Zirkus hätten Balumba geliebt. Das 1989 in Simbabwe geborene Tier starb an einer Art Darmverschlingung, wie Fachärzte des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Parchim ermittelten. Der Dünndarm war in den Dickdarm gerutscht, es gab keine Rettung mehr. Die Fachleute bescheinigten dem Hof gleichzeitig eine artgerechte Haltung der großen Tiere.

„Es ist als hätte ich ein Kind verloren“, begründet der mehrfach ausgezeichnete Dompteur seine Trauer. „Ich habe drei leibliche Kinder und jetzt nur noch vier große Lieblinge.“ Besonders große Sorgen macht ihm die Kuh Mala, die seit dem Tod von Balumba alleine in der Ecke stehe. Die beiden anderen Damen Kenia und Timba würden sich gegenseitig trösten, während der Bulle Sahib mehrere Tage nichts gegessen habe.

Jetzt aber gibt es eine neue Hoffnung für die Trauernden. In einem Schweizer Zirkus starb vor einiger Zeit ein Bulle, so dass seine 24-jährige Elefantenkuh nun allein auftreten muss. Der Eigentümer hat von dem Schicksalsschlag in Platschow gehört und die Kuh zum Verkauf angeboten. Allerdings übersteigt der geforderte Preis die Möglichkeiten von Sonni Frank. Für 135000 Euro werden Elefanten heute in Europa gehandelt. Der Schweizer Kollege verlangt für die 24-jährige Sandra „um die 100000 Euro“. Sie würde nach Meinung des Elefantennarrs wunderbar in seine Gruppe passen. Vor 1989 konnte man einen Elefanten schon für 50000 Mark kaufen, einschließlich des Transports aus Afrika oder Asien.

Der Elefantenhof ist eine Attraktion in der an Attraktionen nicht gerade reichen Region. Das Herbstfest lockte im vergangenen Jahr mehr als 3000 Menschen auf den Hof, den ein kleiner Bach in eine Mecklenburger und eine Brandenburger Hälfte teilt. Der Bürgermeister von Ziegendorf, zu dem Platschow gehört, hat deshalb eine Spendenaktion gestartet. „Wir müssen der Familie Frank helfen, schon um die anderen Tiere wieder glücklich zu machen“, sagt Bürgermeister Peter Friedrich (PDS). „Wenn wir alle zusammenlegen, können wir Sandra vielleicht doch zu uns holen.“

Weitere Informationen zur Spendenaktion unter www.elefanten-spende.de. Spenden sind sehr willkommen: Kontonummer 107201281 bei der Volksbank-Raiffeisenbank Schwerin (Bankleitzahl 14091464), Stichwort „Spendenaktion Sandra“. Kontoinhaber ist Bürgermeister Peter Friedrich.

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